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Faden ist ein Überbegriff für Garne

Häkelfaden

Häkelfaden


Ein Faden ist ein aus Fasern zusammengesetztes, biegeschlaffes Gebilde, das eine dominierende eindimensionale Erstreckung und eine Gleichmäßigkeit in der Längsrichtung aufweist. Der Faden kann (theoretisch) endlos (z. B. Faden auf einer Spule) oder längenbegrenzt (z .B Faden.in der Häkelnadel) sein. Er ist ein älterer Überbegriff für Garne und Zwirne, der in vielen Bezeichnungen aber nach wie vor sowohl im allgemeinen als auch textilen Sprachgebrauch üblich und auch normgerecht ist. So dürfen einzelne Garnabschnitte als Faden bezeichnet werden, aber auch Garne, wenn sie in Hinblick auf ihre Verwendung und in Verbindung mit der Bezeichnung des Verwendungszwecks betrachtet werden, so beispielsweise Schussfaden, Kettfaden, Fadenbruch, Fadenschar, Fadenbremse. Ein Faden kann durch Weben, Stricken, Häkeln, Wirken, Tuften oder anders weiterverarbeitet werden, um daraus ein textiles Flächengebilde herzustellen.

Bis in die 1960er Jahre wurde der bei der Chemiefaserherstellung vom einzelnen Düsenloch gebildete Faden als Elementarfaden oder Einzelfaden (aber auch schon als Endlosfaser) bezeichnet. Dieser Begriff Elementarfaden wurde 1969 in die Norm DIN 60 000 Textilien – Grundbegriffe nicht aufgenommen, sondern die elementaren linienförmigen Gebilde als Endlosfasern (Filamente) (= Fasern praktische unbegrenzter Länge) bezeichnet. Ein Faden konnte aus dieser Sicht nur ein zusammengesetztes Gebilde sein.

In der DDR wurde der Begriff Elementarfaden für das einzelne, linienförmige, in seiner Länge nicht begrenzte Gebilde des textilen Faserstoffes allerdings beibehalten.

 

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Häkelgarne aus Wolle sind in einer Knäuelform

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Ein Knäuel besteht aus einer begrenzten Länge von Garn, das in Form einer Kugel, eines Zylinders oder eines Ellipsoids aufgewickelt wurde.

Das Aufknäueln dient der geordneten Verwahrung und der Handhabung eines Fadens und sichert ihn bis zum weiteren Gebrauch vor dem Verwirren und Verknoten. Er ist neben dem Strang und der Spule (Rolle) eine der Handelsformen für Garn. Im Gegensatz zum Strang ist von einem Knäuel nur die äußere Schicht sichtbar, also die zuletzt aufgewickelten Meter des Fadens.

Üblicherweise gelangen Strick- und Häkelgarne aus Wolle, Kunstfasergemischen und Baumwolle in Knäuelform in den Handel, ebenso Bindfaden und Paketschnur. Leinen- und Seiden-Garn eignen sich schlecht zur Aufmachung in Knäueln, weil die äußeren Windungen aufgrund der Steifheit bzw. Glätte dieser Fasern zu leicht abrutschen.

Knäuel weisen meist eine maximale Größe von etwa 10 cm * 15 cm auf. Die Länge des darin verwahrten Fadens hängt von dessen Lauflänge ab und schwankt zwischen 50 m und mehreren hundert Metern. Üblicherweise werden Knäuel nach Gewicht verkauft.

Die maschinelle Knäuelwicklung ordnet bei jeder neuen Wicklung den Faden neben der Lage der vorherigen Wicklung an, indem der Wickeldorn, um den das Garn gewunden wird, um seine Achse taumelt. Mechanische Knäuelwickler sind auch für den Hausgebrauch erhältlich. Nach Abschluss des Wickelvorgangs wird der fertige Knäuel vom Kern abgezogen. Insbesondere bei dünnem Garn wird das zylindrische Loch, das dabei entsteht, zur Stabilisierung mit einem Pappstreifen ausgekleidet, um den Knäuel zu stabilisieren; die Grenze zwischen Spule und Knäuel verschwimmt in solchen Fallen.

Bei Handaufwicklung entsteht der Knäuel entweder über dem Daumen oder mit einem zu einer kleinen Docke zusammengelegten Anfangsstück als Kern. Es muss auch hier darauf geachtet werden, dass die Fadenwicklungen zueinander versetzt gelegt werden, allerdings geschieht das eher grob verkreuzt. Wahlweise kann man ein Handknäuel auch dergestalt wickeln, dass sich das Garn von innen entnehmen lässt, dann ist der Faden lockerer. Dieses Knäuel bleibt formstabiler als ein handelsübliches maschinell gewickeltes Knäuel und rollt während des Abwickelns nicht davon. Im skandinavischen Raum ist ein leicht konischer, hölzerner Wickeldorn mit Handgriff als Hilfsmittel verbreitet, der Noestepinne genannt wird.

Vor der Einführung der Spule (Rolle) und des Weberschiffchens in Europa wurde beim Weben mit dem Gewichtswebstuhl der Knäuel eingesetzt, um den Schussfaden einzutragen.

Ein Wunderknäuel ist ein Wollknäuel, in das kleine Überraschungen und Süssigkeiten eingewickelt sind, die während des Strickens allmählich freigewickelt werden. Im 19. Jahrhundert wurde im deutschsprachigen Raum mit Wunderknäueln vor allem Mädchen das Stricken nähergebracht.

„Knäuel“ bedeutet auch ein mehrfach in sich verschlungenes oder verknotetes Seil, oder ein falsch aufgezogener Wollknäuel.

„Knäuel“ wird auch verwendet für Verwirrung und Durcheinander. „Ein Knäuel im Kopf“ bedeutet, verworrene Gedanken haben. „Ein Knäuel entwirren“ bedeutet, verworrene Gedanken entwirren.

 

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Maschen erzeugen mit Faden und Häkelnadel

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Filet (von frz. filet = Garn, Netz) bezeichnet in der Textilindustrie einen Gittertüll (auch: Filet-Tüll).

Der Filet-Tüll bezeichnet einen Tüll mit annähernd quadratischen Öffnungen und ist in der Regel zum Besticken geeignet. Er besteht aus drei unterschiedliche Fadengruppen: den Stehfäden, den Musterfäden und den Kettfäden. Das Gerüst bilden die in bestimmten Abständen parallel verlaufenden Stehfäden (auch Kettfäden genannt). An diesen entlang verlaufen die Musterfäden, wobei durch ihren Wechsel von einem Kettfaden zum anderen die quadratischen Öffnungen des Tülls entstehen. Die Bindefäden verbinden die Kettfäden mit den Musterfäden und geben dadurch dem Gewebe Halt. In historischen Stickereien ist das Netz aus einem fortlaufenden Faden geknotet. Im deutschsprachigen Raum wird der Begriff des Filethäkelns auch für das Häkeln von Gardinen, Fensterbildern oder Borten benutzt.

 

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Eine Nadel ist ein längliches, dünnes Werkzeug aus hartem Material (früher Knochen, heute meist Metall) mit einer Spitze an einem Ende.

Als Nadeln werden auch viele andere Gegenstände bezeichnet, die im weitesten Sinne eine ähnliche Form oder Funktion haben.

Fischgräten gehören zu den ersten Arbeitsmitteln, um zwei Flächengebilde mittels Nähmaterial miteinander zu verbinden. Spitze Stechwerkzeuge ohne Öhr sind seit 3000 v. Chr. bekannt. Sie dienten vor allem dem Zusammenheften der Kleidung. Die ältesten Nadeln waren aus Knochen (Knochennadel), Horn oder Mammutelfenbein und wurden Ende des Neolithikums mit verschiedenartigen Köpfen versehen. Die Entwicklung zur schmückenden Nadel setzte in der Bronzezeit ein, in der sie in zahlreichen Formen vorkommt, von beiden Geschlechtern getragen hielt sie als Grabbeigabe das Totengewand zusammen. Für den Alltagsgebrauch zum Zusammenhalt der Überwurfkleidung wurde sie zur Fibel weiterentwickelt, die nach dem System einer Sicherheitsnadel geschlossen werden kann und so ein Herausrutschen der Fibel aus der Kleidung verhindert.

Nähnadeln sind schmale, langgestreckte rundliche Stechwerkzeuge mit einer Spitze und einer Durchbohrung (Öhr) am gegenüberliegenden Ende.

In das Gravettien fiel die Erfindung von Nähnadeln mit Öhr aus Knochen. Als Nähnadeln bezeichnete man zunächst nur Nadeln mit Öhr. Die ältesten Nähnadeln hatten jedoch ein gespaltenes Ende für den „Faden“, der ein Tierdarm oder eine Sehne war. In den Spalt wurde der Faden eingeklemmt.

Als Material für die Nähnadel dienten meist Knochen (Ren- und Wildpferdknochen), aber auch Geweih, Mammutelfenbein, Rippen oder Röhrenknochen von Hasen und Vögeln. Dickwandige Knochen (Geweih oder Elfenbein) wurden mit spanabhebenden Bearbeitungstechniken angepasst.

Knochennadeln sind in altsteinzeitlichen Kulturstätten am Petersfels in Hegau bei Ausgrabungen gefunden worden und sind im Museum für Ur- und Frühgeschichte in Freiburg im Breisgau ausgestellt. Ab dem 14. Jahrhundert ist die Kenntnis eine Nadel aus geschmiedetem und zum Gebrauch gehärteten Eisendraht herzustellen, belegt.

Die Häkelnadel besitzt an ihrem Ende einen Widerhaken, mit welchem ein Faden aufgenommen und durch eine bereits bestehende Masche gezogen wird. Sie wird hauptsächlich beim Häkeln eingesetzt, aber auch fürs Occhi oder mit der Strickliesel verwendet.

Eine Nähnadel ist mit einem Nadelöhr an der Spitze des entgegengesetzten Endes versehen. Sie dient zum Verbinden zweier Materialien, zumeist Stoffen, mit Hilfe eines Fadens. Diesen Vorgang bezeichnet man als Nähen. Nähnadeln werden auch zum Sticken verwendet.

Dazu wird zunächst ein Ende des Fadens in ausreichender Länge durch die Öse geschoben (selten auch verknotet). Durch Verwendung eines Einfädlers kann dieser Vorgang vereinfacht werden. Anschließend werden die beiden Materialien an der Stelle übereinandergelegt, an der sie durch den Faden entlang einer Linie, der späteren sogenannten Naht, zusammengehalten werden sollen. Dann wird mit der spitzen Seite der Nadel am Anfang der Linie durch beide Stoffe hindurchgestochen und der Faden fast vollständig durch beide Materialien gezogen. Durch mehrere solcher Nadelstiche, die zumeist abwechselnd die Materialoberflächen erst von der einen und dann von der anderen Seite entlang der Naht durchstoßen, werden die Materialien nun zusammengefügt.

Es kommt immer wieder vor, dass Nähnadeln oder deren Bruchstücke, z. B. in der Kindheit beim Spielen oder unbemerkt im späteren Leben, in den menschlichen Körper eindringen und dort verbleiben. Viele Patienten werden erst durch Röntgenaufnahmen darauf aufmerksam, eine operative Entfernung ist zu erwägen.

Nähnadeln sind seit dem Paläolithikum bekannt. Die noch erhaltenen Nadeln sind aus Knochen und Mammutelfenbein gefertigt. Nähnadeln wurden in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Materialien zusammengesetzt; in den 1960er und 1970er Jahren wurden Nickel-, Chrom- und andere als allergieauslösend geltende Metalllegierungen verwendet.

Die Dreikantnadel, auch Kürschnernadel, hat anstelle einer runden eine dreieckige Spitze. Da sie das Material nicht dehnt, sondern zerschneidet, sind die damit hergestellten Handnähte weniger haltbar. Sie wird beim Pelznähen nur für sehr schwer zu stechende Pelzmaterialien mit extrem dickem Leder eingesetzt. In früheren Jahren diente sie vor allem zum Nähen von schweren Kutscherpelzen und Pelzdecken (Bärenfelle). Die ungarischen Kürschner benutzten Dreikantnadeln, die sie während ihrer Arbeit immer wieder von neuem spitz anschliffen, zum Nähen ihrer reich und dicht bestickten Lammmäntel, den Bundas. Als man begann, leichte Merinolammfelle zu verwenden, war dies nicht mehr möglich, weil die Stiche das dünnere Leder zerrissen. Die moderne Pelzzurichtung liefert heute leichte und weiche Leder, deshalb sollte die Dreikantnadel möglichst nicht mehr verwendet werden.

Als Nähhilfe beim Handnähen dienen unter anderem Fingerhüte oder Nähringe. Der Aufbewahrung von Näh- und Stecknadel dienen Nadelkissen, Nähkästchen oder eine magnetische Schale.

Die technische Weiterentwicklung der Nähnadel für die Nähmaschine ist die zugehörige Nähmaschinennadel. Die Anforderungen an dieses Maschinenelement sind erheblich: Bei Industrienähmaschinen sind bis zu 10.000 Stiche pro Minute möglich, gleichzeitig ist der Faden mit hoher Geschwindigkeit durch das Nadelöhr zu führen sowie die zu verbindenden Textilien zu durchstoßen. Daher muss die Nähmaschinennadel mit hoher Präzision gefertigt werden, auch an ihren Werkstoff und an ihre äußere Form werden hohe Anforderungen gestellt. Nähmaschinennadeln werden mit unterschiedlichen Durchmessern und Ausformungen der Nadelspitzen hergestellt, um je nach verwendeten Textilien optimale Nähergebnisse liefern zu können.

Die vielseitigen Entwicklungen spezieller Einsatzgebiete von Nähmaschinen erforderten die Konstruktion unterschiedlichster Nähnadeln. So wurde für die maschinelle Handnaht eine Nadel entwickelt, die an beiden Enden jeweils eine Nadelspitze und das Nadelöhr in der Nadelmitte hat. Diese wird durch zwei Maschinenzangen durch das Nähgut geschoben. Für Zierstichmaschinen und andere Spezialmaschinen werden Hakennadeln ohne Zunge hergestellt. Gebogene Nadeln werden für Blindstich- und Pikiermaschinen, auch für Heftmaschinen hergestellt. Diese Bauform findet man teilweise auch bei Überwendlichmaschinen und bei Sackzunähmaschinen.

Die gebräuchlichste Nähmaschinennadel ist die gerade Nadel, bestehend aus dem Kolben, dem Konus, dem Schaft, der Öhrpartie und der Nadelspitze. Der Kolben ist der dickste Teil der Nadel, weil hier das Ausgangsmaterial, runder Draht, noch nicht „reduziert“ (dünner durch Schmieden) gemacht wurde. Der Kolben wird immer in die Nadelhalterung der Nähmaschine bis zum Anschlag eingeführt und befestigt. Der Konus ist der Übergang vom Kolben zum Schaft, die Nadelstärkenbezeichnung bezieht sich auf den Schaftdurchmesser. Stärke 55 = 0,55 mm Durchmesser an dieser Stelle, Stärke 250 = 2,5 mm. Diese Zahl lässt auf die Größe des Einstichloches im Nähgut schließen, sofern sie nicht durch die Nadelspitze oder die Öhrpartie mit beeinflusst wird. Es wird oft mit möglichst dünnen Nadeln genäht, die wenig Schäden im Nähgut verursachen.

Der Kolben ist oft auf einer Seite flachgeschliffen (Flachkolben). Das soll verhindern, die Nadel falsch einsetzen zu können; auch schräge und unterbrochene Flächen sind üblich. Das soll bei zu lose angezogener Nadelbefestigungsschraube das versehentliche Lösen der Nadel verhindern. Die lange Rille im Schaft dient für die Aufnahme des Nadelfadens während des Ein- und Ausstichs. Bei manchen Nadeln gibt es aus dem gleichen Grund eine zweite, aber kürzere Rille auf der gegenüberliegenden Seite. Der Nadelfaden darf in den Rillen nicht klemmen, sonst ist die Nadelstärke zu klein gewählt, was zu Nähstörungen führt. Die Hohlkehle dicht über dem Nadelöhr ist dafür gedacht, die Greiferspitze möglichst dicht bis „in die Nadel hineinstellen“ zu können, um die sichere Übernahme des Nadelfadens auf den Greifer zu ermöglichen.

Die Öhrpartie ist glatt (poliert), um Faden und Nähgut nur wenig zu verschleißen. Die Anwendung, nämlich Maschinenkonstruktion und Nähgut, bestimmt die Form. Oft werden „Rundspitzen“ eingesetzt, die in dünnen Nadelstärken dennoch spitz sind. Bei dickeren Nadeln variiert der Grad der Rundung, um Beschädigungen des Nähgutes zu verringern. „Schneidnadeln“, die anstelle einer Spitze eine Schneide haben, werden gelegentlich im Lederwarenbereich für Zierstiche in der Stärke 130 – 160 eingesetzt. Auch in anderen Bereichen (Verschließen von Säcken) findet man Schneidnadeln.

Die Stopfnadel ist eine spezielle Nähnadel mit abgerundeter Spitze zum Stopfen von Socken und Strümpfen.

Schon der Neandertaler schuf sich aus Knochen Ahlen (ohne Öhr) als „Vorläufer“ der Nähnadeln, die vor allem der Herstellung der Fellkleidung dienten. Noch heute werden Nähahlen in der Lederverarbeitung verwendet.

Eine Sicherheitsnadel oder auch Schließnadel dient ähnlich wie die Stecknadel dem provisorischen Aneinanderheften zweier Textilien. Der wesentliche Unterschied besteht in der Möglichkeit, die Sicherheitsnadel zu verschließen. Um dies zu ermöglichen, ist eine Sicherheitsnadel derart gebogen, dass das spitze Ende im anderen Ende einrasten kann und dadurch keine Gefahr mehr darstellt. Im geschlossen Zustand ist die Sicherheitsnadel an beiden Enden abgerundet. Ein versehentliches Herausrutschen ist wegen des Verschlussmechanismus nicht möglich. Die Sicherheitsnadel in der heutigen Form wurde 1849 von Walter Hunt erfunden, einem amerikanischen Erfinder. In Frankreich heißt sie bis heute épingle anglaise. Die Fibel gilt als älteste Form einer Sicherheitsnadel; Funde wurden bis zurück in die Bronzezeit datiert.

Die Stecknadel besitzt am Griffende einen Kopf, der sie erstens leichter greifbar macht und zweitens ein Durchrutschen verhindert. Die Stecknadel dient dem provisorischen Aneinanderheften zweier Textilien vor dem Vernähen mit der Nähnadel. Des Weiteren lassen sich Stecknadeln ähnlich wie Reißzwecken zum Anbringen von Papieren an einer Korkwand verwenden.

Stricknadeln sind das hauptsächliche Werkzeug beim Stricken. Je nach Zweck und Arbeit werden verschiedene Modelle benutzt: Das Grundmodell, zwei lange, gerade Stricknadeln mit einem Knopf an einem Ende, der das Herausrutschen der Handarbeit verhindert. Um Socken oder andere Rundstücke mit relativ kleinem Durchmesser zu stricken, wird ein Nadelspiel, bestehend aus fünf relativ kurzen Nadeln mit Spitzen auf beiden Seiten verwendet. Für größere Rundstrickarbeiten werden sogenannte Rundstricknadeln verwendet, d. h. zwei durch ein Kunststoffseil verbundene Nadeln. Die Länge des Kunststoffseils kann je nach Anwendung der Rundnadeln variieren. Mit einer Rundstricknadel kann man aber auch hin und her stricken wie mit sogenannten Jackennadeln. Rundstricknadeln sind dabei besonders komfortabel, bequem und schnell, da keine Maschen am Nadelende herunterrutschen können.

Die Zungennadel ist eine mit einer Rückhaltevorrichtung ausgerüstete Stricknadel, die beim maschinellen Stricken zum Einsatz kommt.

  • Anstecknadeln dienen dem Anbringen von Schmuckstücken oder politischer Botschaften an der Kleidung der Trägerin oder des Trägers. Siehe Brosche, Pin oder Ehrennadel.
  • Haarnadeln dienen dem Hochstecken der Haare und waren bereits in der Antike ein wichtiges Modeaccessoire.
  • Die Krawattennadel ist ein Schmuckstück für Herren, das an der Krawatte angebracht wird.
  • Mit Hutnadeln verankern Frauen ihre Hüte in der Frisur.
  • Versaces Sicherheitsnadelkleid wurde durch Nadeln zusammengehalten.

Eine Sonderform der Nadel ist die Injektionsnadel (Kanüle, Hohlnadel). Sie besteht aus einem schräg abgeschnittenen dünnen Röhrchen, durch das nach dem Einstechen Flüssigkeit (selten Gas) injiziert oder abgesaugt werden kann. Die Hauptanwendung liegt in der Medizin als Teil einer Spritze, sie wird jedoch auch in anderen technischen Prozessen verwendet. Bei den Kanülen gibt es verschiedene Möglichkeiten für den Anschliff der Spitze.

Zum Legen von peripheren Venenkathetern werden spezielle Kanülen verwendet (oft nach dem größten Hersteller als „Braunüle“ bezeichnet), die zusätzlich von einem Kunststoffrohr umgeben sind, das 2 bis 3 mm kürzer ist, als die Metallkanüle. Nach dem „Anstechen“ (Punktieren) der Vene wird die Metallkanüle herausgezogen, das Kunststoffröhrchen, welches die hintere Venenwand nicht durchsticht und gering biegsam ist, wird auf der Haut fixiert und kann ohne Wechsel einige Tage verbleiben.

Eine Sonderform der Injektionsnadeln sind die beidseitig scharf angeschliffenen Nadeln für Karpulenspritzen. Weiterhin gibt es dünne Nadeln für die Feinnadelbiopsie. Für die Lumbalpunktion gibt es ebenfalls spezielle, besonders lange und dünne Kanülen mit Mandrin, welcher während der Punktion das Verstopfen verhindern soll und die eigentliche Kanüle mechanisch stabilisiert.

Als Operationsnadeln werden meist halbrund gebogene Nadeln verwendet. Bis zur Einführung der atraumatischen Nadeln gab es nur chirurgische Nadeln mit Patentnadelöhr, bei denen der gespannte Faden unter Druck in das von hinten offene Nadelöhr eingespannt wurde, ohne ihn mühsam einfädeln zu müssen. Dieses Patentnadelöhr hat elastisch federnde Seitenwände mit einer Art Widerhaken, die das Herausgleiten des einmal eingespannten Fadens verhindern.

Um den Stichkanal bei der chirurgischen Wundnaht so klein wie möglich zu halten, wurde die atraumatische (nicht verletzende) chirurgische Nadel erfunden. Bei ihr ist der chirurgische Faden bei der Fabrikation in das Ende der Nadel derart eingefügt worden, dass der Übergang zum Faden ohne Kaliberschwankung resultiert und der Faden den Stichkanal völlig ausfüllt. Nachteilig erscheint die fehlende Möglichkeit einen neuen Faden einspannen zu können, weil atraumatische Nadelfadenkombinationen ausschließlich Einwegmaterial sind. Sie werden (naturgemäß mit dem Faden) steril verpackt angeboten. Ein instrumenteller Knoten (mit dem Nadelhalter) ermöglicht einen sparsamen Verbrauch. Auf der Verpackung ist die Größe und Krümmung der Nadel als Bruch eines Vollkreises (z. B. 3/8) angegeben oder in Originalgröße abgebildet, meist auch eine Darstellung des Nadelquerschnitts.

Der Querschnitt der chirurgischen Nadeln ist je nach Verwendung dreieckig oder kreisrund. Nadeln, mit denen die äußere Haut durchstochen werden soll haben einen (drei)eckigen Querschnitt, weil angeschliffene Kanten besser durch die relativ feste Haut „schneiden“. Oft ist auch nur das vordere Drittel der Nadel, im Bereich der Nadelspitze, dreieckig und der übrige Teil hat einen kreisrunden Querschnitt. Nadeln zum Nähen von inneren Organen haben einen runden Querschnitt, damit beim Führen der Nadel durch das Gewebe selbiges nicht einschneidet. Das Nähen mit gebogenen Nadeln im Nadelhalter bedarf Übung, weil die Nadel auf einer Kreisbahn bewegt werden muss, die ihrem Krümmungsradius entspricht. Wird eine unangepasste Schubbewegung ausgeführt, kann sich die Nadel bestenfalls verbiegen oder die Nadel durchschneidet das Gewebe. Milde Überbeanspruchung einer guten Nadel wird durch deren Elastizität kompensiert, spröde Nadeln brechen beim Gebrauch schnell.

In die Mikrochirurgie und für ophthalmologische Operationen werden besonders kleine Nadeln, sogenannte mikrochirurgische Nadeln, verwendet.

In der Zahnmedizin werden zum Nähen der Papillenspitzen (Parodontal-Chirurgie; Zahnfleischrandschnitt für Wurzelspitzenresektionen) gelegentlich auch gerade Nadeln verwendet.

Akupunkturnadeln werden seit langer Zeit in der Medizin eingesetzt. Sie bestehen aus der eigentlichen, spitzen und langen Nadel und einem Griff.
Akupunkturnadeln werden meist aus korrosionsfreiem, medizinischem Edelstahl hergestellt. Die Art und Form der Griffe ist sehr vielfältig. Die meistverbreitete Art sind der Kupferwendelgriff und der Kunststoffgriff. Es gibt aber auch Akupunkturnadeltypen mit Aluminiumröhrchen- und Silberwendelgriffen.

Zum Einsatz kommen sowohl klassische unbeschichtete Akupunkturnadeln, wie sie in China in aller Regel verwendet werden, als auch silikonbeschichtete Nadeln, die in westlichen Ländern stark verbreitet sind. Die Beschichtung verringert den Einstichwiderstand und damit die Schmerzeinwirkung beim Patienten erheblich.

Die Größenvielfalt variiert je nach Type und Hersteller, wobei Akupunkturnadeln mit Kupferwendelgriff einen Durchmesser von 0,16 mm bis 0,35 mm und eine Länge von bis zu 100 mm besitzen können.

 

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Die Baumwollpflanzen (Gossypium) oder Baumwolle (engl. cotton, franz. coton) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Es gibt etwa (20 bis) 51 Arten in den Tropen und Subtropen.

Baumwolle ist eine sehr alte Kulturpflanze und das Baumwollgarn wird auch zum Häkeln verwendet. Ungewöhnlich ist, dass mindestens vier Völker möglicherweise unabhängig voneinander diese Pflanzengattung domestizierten. Zweimal geschah dies in der Neuen Welt mit den Arten Gossypium hirsutum und Gossypium barbadense und Alten Welt je einmal in Asien (Gossypium arboreum) und Afrika (Gossypium herbaceum). Aus den Samenhaaren wird die Baumwollfaser, eine Naturfaser, gewonnen.

Der Name „Baumwolle“ leitet sich von den Büscheln langer Fasern in den Früchten der Baumwollpflanze ab, welche die Ausbreitung der Pflanzensamen über größere Distanzen ermöglichen. Allerdings ist die Baumwollpflanze trotz des Namens kein Baum, sondern ein bis zu 6 Meter hoher Strauch. Viele Pflanzensamen tragen solche Samenhaare (auch Samenwolle), doch nur die der Baumwollpflanze werden zur Textilherstellung verwendet. Wie die tierischen Wollhaare dienen diese Pflanzenfasern als Grundlage zur Herstellung von Garnen, Geweben und Wirkwaren.

Das Bestimmungswort „Baum“ wurde eventuell im Anschluss an Herodots Historien Buch 3, 106 gewählt, wonach in Indien Wolle, die die Schafwolle an Schönheit und Güte übertrifft und aus der die Inder ihre Kleider herstellen, auf Bäumen wächst. Im Mittelhochdeutschen ist für das 12. Jahrhundert bereits das Wort boumwolle belegt.

Das nicht nur im Englischen, sondern international gebräuchliche Wort cotton (mittelenglisch coton, frz. coton, span. algodón, ital. cotone) leitet sich über das mittelfranzösische coton aus dem spanisch-arabischen Dialektwort quṭún (hocharabisch قطن, DMG quṭn) ab, das „Baumwolle“ bedeutet. Im Deutschen ist diese Wurzel in Kattun präsent.

Gossypium-Arten dimorph: Während der Haupttrieb eine durchgehende (monopodiale), vegetative Achse bildet, kommt es an den Seitentrieben zur Blütenbildung. Die Seitentriebe sind außerdem sympodial, denn nach jeder Blüte stellt die alte Achse ihr Wachstum ein. Die neue Zweigachse wird von einer neben der Blüte auskeimenden Knospe übernommen.

Gossypium-Arten wachsen als einjährige bis ausdauernde, krautige Pflanzen, manchmal als Sträucher. Alle oberirdischen Pflanzenteile sind mit dunklen Öldrüsen punktiert.

Die wechselständigen Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind meist handförmig drei- bis neunlappig, selten ohne Lappen. Es sind Nebenblätter vorhanden.

Die im oberen Bereich der Pflanzen gebildeten Blüten stehen einzeln. Die Blütenstiele besitzen meist Drüsen direkt unter dem Nebenkelch. Die meist drei, selten bis sieben Nebenkelchblätter sind laubblattähnlich, drüsig, frei oder an ihrer Basis verwachsen, ganzrandig oder gezähnt bis tief geschlitzt.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch, fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Die fünf Kelchblätter sind becherförmig mehr oder weniger hoch verwachsen. Die fünf freien, relativ großen Kronblätter sind oben gerundet. Die Kronblätter besitzen eine weiße oder gelbe Grundfarbe und sind im Zentrum der Blüte manchmal purpurfarben. Bei der Unterfamilie Malvoideae sind die vielen Staubblätter zu einer den Stempel umgebenden Röhre verwachsen, der sogenannten Columna. Drei bis fünf Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, drei- bis fünfkammerigen Fruchtknoten verwachsen mit je zwei Samenanlagen in jeder Kammer. Der kurze, stabförmige Griffel endet in einer keulenförmigen, drei- bis fünfrilligen Narbe.

Die kugelige oder ellipsoide Kapselfrucht öffnet sich bei Reife mit drei bis fünf Klappen. Die kugeligen Samen besitzen intensiv weiße, lange wollige Trichome (Samenhaare) gemischt oder ohne kurze Trichome.

Der Gattungsname Gossypium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 2, S. 693 erstveröffentlicht. Lectotypusart ist Gossypium arboreum L. Synonyme für Gossypium L. sind: Erioxylum Rose & Standl.Ingenhouzia DC.Notoxylinon LewtonSeleraUlbr.Sturtia R.Br.Thurberia A.GrayUltragossypium Roberty. Die Gattung Gossypium gehört zur Tribus Gossypieae in der Unterfamilie der Malvoideae in der Familie der Malvaceae.

Die Gattung Gossypium wird in vier Untergattungen, sieben Sektionen und Untersektionen gegliedert, hier mit allen 51 Arten:

  • Untergattung Gossypium: Sie enthält zwei Sektionen:
    • Sektion Gossypium: Sie enthält vier Untersektionen:
      • Untersektion Anomala Tod.: Sie enthält etwa drei Arten:
        • Gossypium anomalum Wawra (Syn.: Gossypium senarense Fenzl ex Wawra & Peyr.): Sie kommt in Äthiopien, Somalia, Eritrea, Sudan, im Tschad, in Angola, Niger und Namibia vor.
        • Gossypium capitis-viridis Mauer (Syn.: Gossypium barbosanum L.Ll.Phillips & Clement): Sie kommt nur auf den Kapverden vor.
        • Gossypium triphyllum (Harv.) Hochr.: Sie kommt in Angola, Botswana und Namibia vor.
      • Untersektion Gossypium: Mit zwei Arten:
        • Gossypium arboreum L. (Syn.: Gossypium cernuum Tod.Gossypium indicum Medik.Gossypium intermedium Tod.Gossypium nanking MeyenGossypium neglectum Tod.Gossypium obtusifolium Roxb. ex G.DonGossypium sanguineumHassk.Gossypium soudanense (G.Watt) G.Watt)
        • Gossypium herbaceum L. (Syn.: Gossypium africanum (G.Watt) G.WattGossypium transvaalense G.Watt)
      • Untersektion Longiloba: Sie enthält nur eine Art:
        • Gossypium longicalyx J.B.Hutch. & B.J.S.Lee: Sie kommt im Sudan, in Tansania und in Uganda vor.
      • Untersektion Pseudopambak: Sie enthält etwa sieben Arten:
        • Gossypium areysianum Deflers: Sie kommt im Jemen vor.
        • Gossypium benadirense Mattei: Sie kommt in Äthiopien, Somalia und Kenia vor.
        • Gossypium bricchettii (Ulbr.) Vollesen: Sie kommt in Somalia vor.
        • Gossypium incanum (O.Schwartz) Hillc.: Sie kommt im Jemen vor.
        • Gossypium somalense (Gürke) J.B.Hutch.: Sie kommt in Niger, Kenia, Uganda, Somalia, Tschad, in Äthiopien und im Sudan vor.
        • Gossypium stocksii Mast.: Sie kommt in Pakistan, im Oman und in Somalia vor.
        • Gossypium vollesenii Fryxell: Sie kommt nur in Somalia vor.
    • Sektion Serrata Fryxell: Sie enthält nur eine Art:
      • Gossypium trifurcatum Vollesen: Sie kommt nur in Somalia vor.
  • Untergattung Houzingenia: Sie enthält zwei Sektionen:
    • Sektion Erioxylum: Sie enthält drei Untersektionen:
      • Untersektion Austroamericana: Sie enthält etwa nur eine Art:
        • Gossypium raimondii Ulbr.: Sie kommt in Peru vor.
      • Untersektion Erioxylum: Die etwa vier Arten kommen nur in Mexiko vor:
        • Gossypium aridum (Rose & Standl.) Skovst.: Sie kommt in Mexiko vor.
        • Gossypium laxum L.Ll.Phillips: Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Guerrero vor.
        • Gossypium lobatum Gentry: Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Michoacán vor.
        • Gossypium schwendimanii Fryxell & S.D.Koch: Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Michoacán vor.
      • Untersektion Selera: Sie enthält nur eine Art:
        • Gossypium gossypioides (Ulbr.) Standl.: Sie kommt im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca vor.
    • Sektion Houzingenia: Mit drei Untersektionen:
      • Untersektion Caducibracteolata: Die etwa drei Arten kommen nur in Mexiko vor:
        • Gossypium armourianum Kearney: Sie kommt in Mexiko vor.
        • Gossypium harknessii Brandegee: Sie kommt nur im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur vor.
        • Gossypium turneri Fryxell: Sie kommt im mexikanischen Bundesstaat Sonora vor.
      • Untersektion Houzingenia: Sie enthält etwa zwei Arten:
        • Gossypium thurberi Tod.: Sie kommt in Arizona und in Mexiko vor.
        • Gossypium trilobum (DC.) Skovst.: Sie kommt in Mexiko vor.
      • Untersektion Integrifolia: Sie enthält etwa zwei Arten:
        • Gossypium davidsonii Kellogg: Sie kommt in Mexiko vor.
        • Gossypium klotzschianum Andersson: Dieser Endemit kommt nur auf den Galapagos-Inseln vor.
  • Untergattung Karpas: Sie enthält etwa sechs Arten:
    • Gossypium barbadense L. (Syn.: Gossypium acuminatum Roxb. ex G.DonGossypium brasiliense Macfad.Gossypium evertumO.F.Cook & J.Hubb.Gossypium peruvianum Cav.Gossypium vitifolium Lam.)
    • Gossypium ekmanianum Wittm.: Dieser Endemit kommt nur in der Dominikanischen Republik vor.
    • Gossypium hirsutum L. (Syn.: Gossypium jamaicense Macfad.Gossypium lanceolatum Tod.Gossypium mexicanum Tod.Gossypium morrillii O.F.Cook & J.Hubb.Gossypium palmeri G.WattGossypium punctatum Schumach.Gossypium purpurascensPoir.Gossypium religiosum L.Gossypium schottii G.WattGossypium taitense Parl.Gossypium tridens O.F.Cook & J.Hubb.)
    • Gossypium mustelinum Miers ex G.Watt: Sie kommt in Brasilien vor.
    • Gossypium tomentosum Nutt. ex Seem.: Sie kommt in Hawaii vor.
  • Untergattung Sturtia Sturtia (R.Br.) Tod.: Es gibt drei Sektionen:
    • Sektion Grandicalyx (Fryxell) Fryxell: Die etwa zwölf Arten kommen nur in Australien vor:
      • Gossypium anapoides J.M.Stewart, Craven, Brubaker & Wendel: Sie kommt in Western Australia vor.
      • Gossypium costulatum Tod.: Sie kommt in Western Australia vor.
      • Gossypium cunninghamii Tod.: Sie kommt im australischen Northern Territory vor.
      • Gossypium enthyle Fryxell, Craven & J.M.Stewart: Sie kommt in Western Australia vor.
      • Gossypium exiguum Fryxell, Craven & J.M.Stewart: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium londonderriense Fryxell, Craven & J.M.Stewart: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium marchantii Fryxell, Craven & J.M.Stewart: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium nobile Fryxell, Craven & J.M.Stewart: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium pilosum Fryxell: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium populifolium (Benth.) F Muell. ex Tod.: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium pulchellum (C.A.Gardner) Fryxell: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium rotundifolium Fryxell, Craven & J.M.Stewart: Sie kommt nur in Western Australia vor.
    • Sektion Hibiscoidea Tod.: Sie enthält etwa drei Arten:
      • Gossypium australe F.Muell.: Sie kommt in Australien vor.
      • Gossypium bickii Prokh.: Sie kommt in Australien im Bundesstaat Queensland und im Northern Territory vor.
      • Gossypium nelsonii Fryxell: Sie kommt in Australien im Bundesstaat Queensland und im Northern Territory vor.
    • Sektion Sturtia (R.Br.) Tod.: Sie enthält etwa drei Arten:
      • Gossypium nandewarense Derera: Sie kommt nur in Queensland vor.
      • Gossypium robinsonii F.Muell.: Sie kommt nur in Western Australia vor.
      • Gossypium sturtianum J.H.Willis: Sie kommt in Australien vor.

Es gibt viele verschiedene Wildarten, aber für den industriellen Anbau sind nur die Kulturbaumwollarten von Bedeutung. Das sind vier Arten, wobei zwei Arten aus der Alten Welt und zwei Arten aus der Neuen Welt stammen. Die beiden Altwelt-Arten sind Gossypium herbaceum L.(sog. Levante-Baumwolle) und Gossypium arboreum L. (sog. Tree cotton), die beiden Neuwelt-Arten Gossypium hirsutum L. (sog. Hochland-Baumwolle) und Gossypium barbadense L. (Syn.: Gossypium vitifolium Lam.), die sog. Sea-Island-Baumwolle. Die letzten beiden Arten wiederum haben sich offenbar in vorgeschichtlicher Zeit nach transozeanischer Verbreitung von Gossypium herbaceum aus einer natürlichen Hybridisierung von Gossypium herbaceum und einer Neuweltart entwickelt.

Altweltliche Baumwolle wie Gossypium herbaceum und Gossypium arboreum ist diploid, wohingegen neuweltliche Baumwolle wie Gossypium hirsutum und Gossypium barbadense tetraploid ist. Den größten und damit wichtigsten Anteil an der Baumwollgewinnung hat Gossypium hirsutum.

In der Textilindustrie und -verarbeitung unterscheidet man die Baumwolle primär nach ihrer Stapellänge (Faserlänge). Sekundär spielen auch Geruch, Farbe und Reinheit eine Rolle. Je länger eine Baumwollfaser ist, desto hochwertiger wird sie eingestuft. Nach der Stapellänge können die genannten vier Arten in drei Kategorien eingeteilt werden. Die beste Qualität liefert mit einer Stapellänge von über 32 Millimetern Gossypium barbadense (gebräuchliche Handelsnamen sind Ägyptische Giza (Mako)-Baumwolle, peruanische Pima-Baumwolle und Sea-Island-Baumwolle), die etwa acht Prozent der Weltproduktion ausmacht. Es folgen mit einer Stapellänge von 25 bis 30 Millimetern und einem Anteil von 90 Prozent Gossypium hirsutum (sog. Upland-Baumwolle) und Gossypium arboreum und Gossypium herbaceum, die eine kurze und grobe Faser (< 25 mm) liefern und etwa zwei Prozent der Welterzeugung ausmachen.

Für die Domestizierung von Baumwolle werden inzwischen mehrere Zentren angenommen, wo diese etwa gleichzeitig erfolgt zu sein scheint. Über die wilde Stammform der in den Tropen und Subtropen verbreiteten Gattung der Baumwollpflanze Gossypium herrscht allerdings bis heute Unklarheit. Als Ursprungszentren gelten zum einen das südliche Afrika, wo aber keine frühe Domestizierung nachweisbar ist, oder Indien und Indonesien, zum anderen das nördliche Andengebiet und eventuell der Südwesten Nordamerikas oder Zentralamerika.

Baumwolle wird denn auch seit Jahrtausenden in ganz verschiedenen Kulturzonen zur Herstellung leichter Kleidung verwendet, ist jedoch wegen des vor allem in den Samen und deren Öl enthaltenen giftigen Phenols Gossypol für den Verzehr nicht geeignet außer bei Wiederkäuern und war daher im Gegensatz zu manch anderen Faserpflanzen als Nahrungsmittel kulturhistorisch ohne Bedeutung.

  • Die ältesten Belege für Baumwolle stammen aus Indien. In Mehrgarh, der ältesten neolithischen Siedlung des Indus-Tales fanden sich Beweise für Baumwollsaaten und -fasern, die auf ca. 6000 v. Chr. datiert werden können. Dabei handelt es sich um die Art G. arboreum. Sie wird hier erstmals nachweislich während der Indus-Kultur verarbeitet, denn in Mohenjo-Daro sind Reste von Baumwolltextilien gefunden wurden, die auf das 3. vorchristliche Jahrtausend datiert werden konnten. Baumwolle wird auch später im Rigveda um 1500 v. Chr. erwähnt. Der griechische Historiker Herodot notierte über indische Baumwolle: „Es gibt wildwachsende Bäume, aus deren Frucht man eine Wolle gewinnen kann, die die Schönheit und Qualität der Schafwolle weit übertrifft. Die Inder machen aus dieser Baumwolle ihre Kleider“.
  • Afrika: Gossypium herbaceum wuchs in Afrika traditionell in offenen Wäldern und Grassavannen. Eindeutige Nachweise domestizierter Formen und Produkte daraus wurden bisher archäologisch jedoch nicht belegt. Die Ausbreitung der am engsten verwandten Wildformen legt jedoch eine nördliche Ausbreitung nach Nordafrika und in den Nahen Osten nahe. Man nimmt daher an, dass die erste Domestizierung von Gossypium herbaceum in Arabien und Syrien erfolgte.
  • Im zweiten vorchristlichen Jahrtausend erreichte Baumwolle von Indien her das Babylonische Reich in Mesopotamien, Ägypten und später Europa.

Im Alten Ägypten ist Baumwolle seit dem Neuen Reich durch Grabfunde belegt, desgleichen später im hellenistischen Osten.

  • Die altamerikanischen Völker kannten Baumwolle, lange bevor im Mittelalter ihr Anbau und ihre Verarbeitung durch die Araber über Spanien und Italien in Europa eingeführt wurde. Vertreten sind hier die Neuweltarten G. hirsutum in Mesoamerika und G. barbadense in Südamerika.
    • In Südamerika finden sich erste Baumwolltextilien aus domestizierter Baumwolle, hier Gossypium barbadense, ebenfalls ab dem 3. vorchristlichen Jahrtausend im sog. Baumwoll-Präkeramikum der Anden, als man zwar noch keine Töpferwaren kannte, aber bereits Baumwolle anbaute. Archäologisch wurden Beispiele dieses Typs an verschiedenen Orten Perus und Ecuadors gefunden, insbesondere in Ancón, aber z. B. auch in Huaca Prieta, und zwar 1000 bis 1500 Jahre vor der Einführung von Keramik und der Domestizierung von Mais. Baumwolle wurde damals vor allem für Fischerei- und Jagdnetze, Kleidung und Speicherbeutel verwendet.

Baumwolltextilien sind seit dieser Zeit in Nordchile, Peru und Ecuador belegt, etwa bei den Nazca, wo sie sich in trockenen Hochlandgegenden archäologisch nachweisbar erhalten haben. Gegen Ende dieser Periode verwendete man wegen ihrer besseren Färbbarkeit dann auch Wolle von Neuweltkamelen.

Allerdings ist der erste eindeutige Nachweis der Domestizierung von Baumwolle, hier G. barbadense, noch wesentlich älter. Er stammt aus Ancón, einem Fundort an der zentralen Küste Perus, wo Archäologen Reste von Baumwollkapseln fanden, die auf 4200 v. Chr. datiert werden konnten. Um 1000 v. Chr. waren die Baumwollkapseln aus Peru dann nicht mehr von den heute kultivierten Formen von G. barbadense zu unterscheiden. Es scheint also durchaus möglich, dass Baumwolle in der Neuen Welt ebenso früh verwendet wurde wie im alten Indien.

  • Auch für die präkolumbianischen Kulturen Nordamerikas ist die Verwendung von Baumwolle bezeugt, etwa für die Hohokam-Kultur (300 – 100 v. Chr.) in Arizona. Insgesamt begann der Baumwollanbau im Südwesten Nordamerikas bereits vor 3000 Jahren. Die Navajos hatten Baumwollkleider, ebenso wie die Anasazi der Pueblo-Zeit (Phase I, 700 – 900 n. Chr.).
  • Mittelamerika: Der älteste Nachweis von Gossypium hirsutum stammt aus dem Tal von Tehuacán und wurde auf 3400 und 2300 v. Chr. datiert. In verschiedenen Höhlen des Gebietes fanden Archäologen Reste der voll domestizierten Form dieser Baumwolle. Neuere Ausgrabungen in der Guila-Naquitz-Höhle in Oaxaca erlaubten einen Vergleich mit rezenten Exemplaren von wildem und domestiziertem G. hirsutum punctatum. Dabei ergab sich, dass sie von derselben Art abstammen könnten, die ursprünglich auf der Yucatan-Halbinsel domestiziert worden war.

In verschiedenen Gebieten und Kulturen Mesoamerikas war Baumwolle ein sehr begehrtes Gut, das teuer gehandelt wurde. Kaufleute der Mayas und Azteken tauschten Baumwolle gegen andere Luxusgüter, und Adelige schmückten sich mit kostbaren farbigen Mänteln aus diesem Material. Aztekenkönige beschenkten oft vornehme Besucher mit Baumwollprodukten und bezahlten Heerführer damit.

  • Im klassischen Altertum schätzten Griechen und Römer die Baumwolle vor allem wegen ihrer Feinheit und Weiße. Sie war in Rom, nachdem Alexander der Große Indien erreicht und die Baumwolle von dort mitgebracht hatte, ein begehrtes und luxuriöses Importgut aus dem Orient, vor allem aus Indien.
  • Weitere Entwicklung in Mittelalter und Neuzeit:
    • Ab dem 6. nachchristlichen Jahrhundert wurde Baumwolle im Vorderen Orient, Arabien und Ägypten zum üblichen Material für Arbeitskleidung, und die Mauren bauten Baumwolle in Spanien extensiv an.
    • In Indien wurden bereits sehr früh verschiedene Kultursorten angebaut. Bereits im 16. Jahrhundert waren die indischen Regionen Bengalen, Punjab, Coromandel und Gujarat Zentren der Baumwollverarbeitung. Eine besondere Bedeutung kam Gujarat zu, dessen Baumwollprodukte über verschiedene Handelsrouten bis in die Zentren des Nahen Ostens gehandelt wurden.
    • In der Neuen Welt stießen die spanischen Konquistadoren und Entdecker überall auf den Anbau und die Verarbeitung von Baumwolle. Christoph Kolumbus, Hernando Cortes, Francisco Pizarro, Fernando de Magellan und andere berichteten von den verschiedenen Zwecken, für die die Faser genutzt wurde, und sie bewunderten die gestreiften Sonnensegel und farbigen Mäntel, die die Eingeborenen herstellten.
    • Um 1600 war Baumwolle allerdings in Europa noch ein Luxusgut, das nicht weniger als Seide geschätzt wurde. Grund des hohen Wertes war der hohe Arbeitseinsatz bei der Verarbeitung. Arbeitsintensiv waren vor allem das Entfernen der Samenkapseln und das mühselige Kardieren der im Vergleich zu Wolle und Seide sehr kurzen Fasern. Um ein Pfund (gemeint ist hier die angloamerikanische Maßeinheit Pound, die ca. 453 g hat) verarbeitungsfähige Baumwollfäden zu gewinnen, war ein Einsatz von 13 Arbeitstagen nötig. Für eine vergleichbare Menge an Seide waren dagegen nur sechs Arbeitstage notwendig, während man für Leinen zwei bis fünf und für Wolle ein bis zwei Tage brauchte. Vor 1750 waren englische Spinner nicht in der Lage, Baumwollfäden zu spinnen, die ausreichend fest genug waren, um reine Baumwollgewebe herzustellen. Reine Baumwollgewebe wurden nur in Indien hergestellt.

Die Ostindienkompanie importierte bereits im frühen 17. Jahrhundert Baumwolltuche nach England und verkaufte diese Textilien trotz der erbitterten Gegenwehr der Wollproduzenten, die zeitweise stark genug war, um die Verwendung von Baumwolltuch gesetzlich zu verbieten. In Manchester gelang es schließlich, die Verarbeitung von Baumwolle in England durchzusetzen.

Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts zog die Republik Venedig das Handelsmonopol levantinischer Baumwolle an sich und behielt es bis ins 17. Jahrhundert. Zugleich nahm an den großen Umschlagplätzen nördlich der Alpen die Baumwollverarbeitung stark zu. Mittelpunkt war Augsburg, das fast alle europäischen Märkte mit seinen Barchenten versorgte.

Mit dem stark zunehmenden Ostindienhandel wuchs die Einfuhr gesponnener Rohgarne über die Niederlande, so dass das Monopol Venedigs zunehmend schwächer wurde. Der Aufstieg der Britischen Ostindien-Kompanie zu einer der großen Handelsorganisationen der frühen Neuzeit steht ebenfalls in engem Zusammenhang mit Baumwolle. Der sehr profitreiche Gewürzhandel war zu Beginn des 17. Jahrhunderts fest in Händen portugiesischer und holländischer Kaufleute. Die Britische Ostindien-Kompanie handelte deshalb vor allem mit persischer Seide, die über Karawanenrouten durch Syrien auf türkische Märkte gelangte. Dort wurde auch traditionell indisches Baumwollgewebe gehandelt, und die britische Kompanie handelte zunehmend auch dieses Gewebe. Ihren großen Aufschwung nahm die Baumwollindustrie jedoch erst im Ende des 18. und vor allem Anfang des 19. Jahrhunderts (Spinnmaschinen) im Verlauf der Industriellen Revolution, zunächst in England, dann in Frankreich und Deutschland, wo die Baumwollfaser sich nach und nach auch aufgrund ihrer größeren Verfügbarkeit durch den zunehmenden Anbau in den britischen Kolonien und den USA gegen die Wolle ökonomisch als Alternative durchzusetzen begann.

Mit der Ausweitung des Fernhandels in der frühen Neuzeit verdrängte die Baumwolle auch in Nord- und Mitteleuropa zunehmend Leinen (Flachs) und Hanf für die meisten Anwendungsbereiche.

Mit der Erfindung der Spinning Jenny im Jahre 1764, einer frühen Spinnmaschine mit mehreren Spindeln, und der Waterframe von Arkwright 1769 wird die kostengünstige Massenproduktion von Textilien im Vereinigten Königreich möglich. Während Indien vor der industriellen Revolution hauptsächlich Fertigprodukte nach England exportierte, wird Indien danach zum Rohstofflieferanten für die englische Textilindustrie.

Im 20. Jahrhundert bekam die Baumwolle zunehmend Konkurrenz durch chemisch erzeugte Fasern. Insbesondere Polyesterfasern finden immer häufiger Verwendung: 2003/2004 wurden sie erstmals in größerer Menge verarbeitet als Baumwolle und drängten diese bei den Textilfasern somit auf den zweiten Rang ab.

Die ersten englischen Siedler in Nordamerika sahen keine oder kaum Baumwolle im Gebrauch unter den Eingeborenen. Sie begannen jedoch bald, die Faser aus Westindien zu importieren, und von dort stammte schließlich auch die Pflanze selbst, die sie nun in dem sehr ähnlichen Klima der südlichen Kolonien und den vergleichbaren Böden dort anzubauen begannen. Während der kolonialen Periode wurde Baumwolle aber nie zur hauptsächlich kultivierten Pflanze, war kaum eine wichtige Anbaupflanze zu nennen, denn Baumwolle konnte profitabel nur gezogen werden, wenn ein Überschuss an extrem billigen Arbeitskräften zur Verfügung stand; und die Arbeit in Amerika, gleichgültig ob die Arbeiter weiß oder schwarz waren, konnte niemals so billig sein oder werden wie in Indien. Amerikanische Sklaven konnten ohnehin weit profitabler beim Anbau von Reis und Indigo eingesetzt werden. Grund war der enorme Arbeitsaufwand, der bei der Ernte und danach anfiel, wenn die Baumwollfasern von Hand gepflückt und aufwendig für die Weiterverarbeitung präpariert werden mussten. Dies änderte sich erst, als die Baumwollproduktion in den Südstaaten der USA – dem sogenannten Cotton Belt – von der Erfindung der Egreniermaschine („Cotton Gin“) im Jahr 1793 profitierte. Langstapelige Sorten wie Sea Island Cotton (Gossypium barbadense) waren dort in den Küstenregionen bereits vorher angebaut worden. Im hügeligen Binnenland gediehen dagegen nur kurzstapelige Sorten, die vor der Erfindung der Egreniermaschine von den Sklaven nur für den persönlichen Bedarf angebaut worden waren. Aufgrund der neuen Technologie konnten nun aber gegen Ende des 18. Jahrhunderts und bis ins 20. Jahrhundert hinein auch kurzstapelige Baumwolle kostengünstig verarbeitet werden und blieb das wichtigste Exportgut des amerikanischen Südens, obwohl dort das Klima eigentlich etwas zu feucht und nicht heiß genug ist und es dadurch immer wieder zu Ernteausfällen durch Verrottung kam. Baumwolle wurde nun auch im Binnenland gepflanzt und verdrängte dort Tabak und Getreide. In der Dekade von 1790 bis 1800 stieg der jährliche Baumwollexport allein aus South Carolina von weniger als 10.000 auf mehr als sechs Millionen Pfund (= Pound) an. Die Sklaverei erreichte nach der Einführung des Baumwollanbaus eine größere Ausdehnung, als jemals zuvor, etwa beim Tabak- oder Reisanbau. Seine größte Ausdehnung fand der Baumwollanbau im Black Belt, einer Region, die sich im 19. Jahrhundert von North Carolina bis Louisiana erstreckte. Im Zeitraum von 1812 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs die Baumwollproduktion in dieser Region von weniger als 300.000 Ballen auf 4 Millionen Ballen pro Jahr an.

Der Anbau der Baumwolle verlangte von den Sklaven während eines Großteils des Jahres beständige Arbeit und gewissenhafte Pflege. Frauen wurden auf den Plantagen ebenso eingesetzt wie Männer, die Pflanzer legten jedoch Wert auf junge Arbeitskräfte. Nach der Saat, die Ende März oder Anfang April erfolgte, mussten die Pflanzen laufend ausgedünnt und umgepflanzt werden, eine Tätigkeit, die die Sklaven fast den gesamten Sommer über in Anspruch nahm. Wenn diese Phase Ende Juli, Anfang August beendet war, setzten die Pflanzer ihre Sklaven vorübergehend auf Mais- und Erbsenfeldern ein. Im späten August begann das Baumwollpflücken, eine sehr eintönige und ermüdende Tätigkeit, die sich oftmals bis zum Ende des Jahres oder darüber hinaus hinzog. Unerfahrene Baumwollpflücker verletzten sich sehr leicht an den scharfkantigen Samenkapseln. Die letzten Arbeitsschritte waren das Trocknen, Entkernen und Verpacken der Baumwolle, die in Ballen ausgeliefert wurde; häufig folgten auch noch das Kämmen, Spinnen und Aufspulen.

Nachdem in Nordamerika der moderne Anbau von Baumwolle 1621 in Florida begonnen hatte und lange Zeit wirtschaftlich eher unbedeutend geblieben war, wurde er nun aber, nicht zuletzt durch die ökonomische Macht der großen Baumwollpflanzer der Südstaaten der USA, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem auch politisch bestimmenden Faktor, der letztlich mit zum Ausbruch des Sezessionskrieges und dem Untergang der amerikanischen Südstaaten beitrug (Sklaverei und unterschiedliche wirtschaftliche Interessen der industriell orientierten Nordstaaten, die mit Schutzzöllen ihre Industrieproduktion abschirmen wollten, gegenüber den auf Freihandel und Export ihrer Agrarprodukte, vor allem eben Baumwolle, bedachten Südstaaten).

Die beiden berühmtesten Werke, die diese historisch-ökonomische Situation vor dem Hintergrund der durch Sklaven betriebenen Baumwollplantagen des alten Südens literarisch behandeln, sind zwei Romane: Margaret Mitchells Vom Winde verweht (1936) und Harriett Beecher Stowes Onkel Toms Hütte (1859), dazu die US-Fernsehserie Fackeln im Sturm aus den 80er- und 90er-Jahren. Vom Winde verweht wird von der Kritik allgemein recht positiv beurteilt (auch die Verfilmung von 1939 mag dabei eine Rolle spielen), während Onkel Toms Hütte vor allem zu Anfang eine vernichtende Kritik erfuhr wegen der doch sehr rührseligen, klischeebehafteten und unreflektierten Handlung mit ihren nicht nur nach heutigem Empfinden ans Peinliche grenzenden Frömmeleien. Vor allem farbige Amerikaner lehnen das Buch bis heute wegen des darin enthaltenen unterschwelligen Rassismus ab. Kindlers Literaturlexikon schreibt: „Stowes Rezept passiver Jenseitserwartung musste den derart Bevormundeten […] als verantwortungslose Stützung herrschender Machtverhältnisse erscheinen.“

Viele Baumwoll-Arten und -Sorten sind von Natur aus ausdauernde Pflanzen, werden aber als einjährige Pflanzen kultiviert. Als Kulturpflanze belässt man sie in der Regel nur für ein Jahr auf dem Feld, um den höchsten Ernteertrag zu erzielen. Nach der Ernte bzw. nach einer Frostperiode werden die Pflanzen dann meist abgeschlegelt und zur Gründüngung in den Boden eingearbeitet. In brennstoffarmen Regionen dienen die abgestorbenen, trockenen Pflanzenteile auch als Brennmaterial.

In der nördlichen Hemisphäre findet die Aussaat abhängig vom Standort zwischen Anfang Februar und Anfang Juni statt. Die Ernte erfolgt zwischen Oktober und Februar. Zwischen Aussaat und Ernte liegen rund acht bis neun Monate. Da die Baumwolle oft ungleichmäßig abreift, wird häufig mehrmals geerntet. Große Kulturflächen werden zumeist von Baumwollerntern maschinell abgeerntet, bei kleinen Anbaufeldern und in weniger entwickelten Staaten erfolgt die Ernte oft noch mit der Hand. Manche Pflückmaschinen können nur laubfreie Pflanzen abernten, so muss entweder der erste Frost abgewartet, oder chemische Entlaubungsmittel müssen eingesetzt werden. Dies gilt insbesondere für die niedrig wachsenden windresistenten Sorten (storm proof cotton), die überwiegend in Texas angebaut werden. Handgeerntete Baumwolle ist bezüglich Reife und Schmutzgehalt fast immer von höherer Qualität als maschinell geerntete. Dies liegt daran, dass Vollernter auch unreife und überreife Kapseln erfassen, während per Hand nur die reifen Faserbüschel ausgezupft werden.

Problematisch für die Ernte ist die langgezogene Blütezeit, weil dadurch auch die Kapseln über einen Zeitraum von mehreren Wochen versetzt reifen. Überreife Baumwolle ist genauso wie unreife qualitativ minderwertig. Maschinelle Einmalernten sind daher immer ein Kompromiss aus überreif, reif und unreif. Die Handpflücke ist genauer, benötigt aber viele Arbeitskräfte, da mehrere Durchgänge notwendig sind.

Baumwolle gedeiht gut auf schweren Böden. Sehr geeignet sind Vertisole. Sie ist bezüglich des Nährstoffgehaltes nicht sehr anspruchsvoll. Wichtig ist aber eine ausreichende Wasserversorgung (600 bis 1200 Millimeter während der Wachstumsperiode). In niederschlagsarmen Gebieten sind die Baumwollkulturen daher von künstlicher Bewässerung abhängig.

Heute wird Baumwolle – als nachwachsender Rohstoff – auf allen fünf Kontinenten angebaut. Hierzu werden Baumwollpflanzen verwendet, die durch Züchtung mehr Fasern produzieren als die Wildpflanze. Transgene Baumwolle erleichtert die Schädlings- und Unkrautbekämpfung und wurde 2010 auf etwa zwei Dritteln der weltweiten Baumwollanbaufläche angepflanzt. Baumwollkapselbohrer und Baumwollkapselkäfer gehören zu den wichtigsten Baumwollschädlingen in Amerika.

Die lange Wachstumszeit der Baumwolle erfordert nach der Ernte eine rasche Feldbestellung und Neuaussaat. Daher ist der Anbau von Zwischenfrüchten zur Verbesserung der Bodenqualität und zur Unterdrückung von Unkräutern kaum möglich. Die Konsequenzen sind der Verlust der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität. Besonders auf großen Flächen wird Baumwolle oft ohne Fruchtwechsel mit anderen Nutzpflanzen angebaut. Infolge dieser Monokulturen ist die großflächige Baumwollproduktion stark von Pflanzenschutzmitteln abhängig. Baumwolle gilt als das landwirtschaftliche Produkt mit dem höchsten Einsatz an Chemikalien. Auf Baumwolle entfielen 1999/2000 etwa elf Prozent des weltweiten Pestizidmarktes. Daher gilt sie unter Umweltschutzaspekten als sehr bedenklich.

Der Wasserverbrauch ist problematisch. Er richtet sich nach dem Klima, der Bodenbeschaffenheit und ob die Anpflanzung im Regenfeldbau oder mit künstlicher Bewässerung erfolgt. Für die Menge Baumwolle zur Produktion eines T-Shirts können bis zu 2000 Liter Wasser benötigt werden. Aufgrund dieses hohen Wasserbedarfs erfolgen 75 Prozent des weltweiten Baumwollanbaus auf künstlich bewässerten Feldern. Besonders bekannt wurde in diesem Zusammenhang der Aralsee, der einst viertgrößte See der Erde. Die Entnahme großer Wassermengen aus seinen Zuflüssen für den Baumwollanbau hat seit den 1960er Jahren während der sowjetischen Kolchosenwirtschaft zu einer weitreichenden Versalzung und letztendlich zum fast vollständigen Verschwinden des Sees geführt.

Einige Baumwollbauern setzen auf ökologischen Anbau, so dass es heute auch Bio-Baumwollprodukte auf dem Markt gibt. Anfang 2010 wurde die Textilbranche von groß angelegtem Betrug mit angeblicher Biobaumwolle erschüttert, ein großer Teil der aus Indien stammenden Biobaumwolle wurde gentechnisch verändert. Der Betrug wurde bereits im April 2009 von indischen Behörden aufgedeckt. Zusammen mit westlichen Zertifizierungsunternehmen haben zahlreiche Dörfer gentechnisch veränderte Baumwolle als Bioprodukt deklariert und in großen Mengen in Umlauf gebracht – ein klarer Verstoß gegen die strengen Standards für Ökotextilien. Von dem Betrug betroffen sind namhafte Handelsketten wie H&M, C&A und Tchibo. Nach einem jahrelangen Anstieg der Produktion erfolgte 2011 ein Einbruch um über ein Drittel. 2008 betrug der Marktanteil 0,5 Prozent.

Der kleinflächige Anbau von Baumwolle ist in vielen Entwicklungsländern ein wesentlicher Bestandteil der jeweiligen Volkswirtschaften und stellt den größten Exportwert und für viele Bauern die primäre Cash Crop dar.

Die weltweit bedeutendsten Baumwollproduzenten sind die Volksrepublik China, Indien, die USA, und Pakistan. In Europa ist Griechenland das einzige Land mit einer größeren Produktionsmenge (Platz 9 der Weltrangliste), gefolgt von Spanien mit einer geringeren Menge – die Türkei wird hier zu den asiatischen Nationen gezählt, da die Hauptanbauflächen in Asien liegen. Generell lässt sich sagen, dass die meiste Baumwolle geographisch gesehen zwischen den 43 Grad nördlicher und 36 Grad südlicher Breite gelegenen tropischen und subtropischen Gebieten Mittelamerikas, Indiens und Asiens – dem sog. Baumwollgürtel, angebaut wird.
Baumwollanbau trägt insbesondere durch den hohen Verbrauch an Mineraldünger und Pestiziden erheblich zum weltweiten Kohlendioxid-Ausstoß bei. Durch die Herstellung eines Baumwoll-T-Shirts entstehen sieben bis neun Kilogramm Kohlendioxid (CO2).

2010 wurde erstmals ein Baumwollgenom sequenziert. Das Genom dieser Wildsorte aus Peru (Gossypium raimondii) ist wesentlich einfacher aufgebaut als das der Kultursorten. Laut Forschern beim 5. Treffen der International Cotton Genome Initiative (ICGI) stellt dies einen bedeutenden Schritt dar auf dem Weg, über die vollständige Kenntnis neue, ertragreiche und widerstandsfähige Sorten zu züchten.

Baumwolle ist eine Naturfaser, die aus den Samenhaaren der Pflanzen der Gattung Baumwolle (Gossypium) gewonnen wird. Der Samen bildet als Verlängerung seiner Epidermis längere Haare, die als Lint bezeichnet werden, und drei bis fünf Tage nach der Blüte sehr kurze Haare, die Linter genannt werden. Nur die langen Fasern werden, meist zu dünnen Fäden gesponnen, für Textilien verwendet, während sich die Linter nur für Zelluloseprodukte eignen.

Verglichen mit synthetischen Fasern ist Baumwolle sehr saugfähig und kann bis zu 65 % des Gewichtes an Wasser aufnehmen. Sind allerdings Gewebe aus Baumwolle einmal nass geworden, trocknen sie nur langsam. Zudem besitzt Baumwolle auch eine hohe Schmutz- und Ölaufnahmefähigkeit, ist aber auch in der Lage, diese wieder abzugeben. Baumwollstoffe gelten als sehr hautfreundlich (sie „kratzen“ nicht) und haben ein äußerst geringes Allergiepotential. Diese Eigenschaften machen sie für die Textilindustrie interessant.

Die äußere Form der Baumwollfasern ist flach, verdreht und schleifenähnlich. Die Farben der Fasern variieren von Cremig-Weiß bis zu Schmutzig-Grau, abhängig vom Herstellungs- bzw. Aufbereitungsprozess. Weiterhin existiert auch farbig gewachsene Baumwolle, zumeist in grün und braun.

Baumwolle ist nicht wasserlöslich und in feuchtem oder nassen Zustand reißfester als in trockenem. Die Festigkeiten und Steifigkeiten der Baumwollfaser sind geringer als die der Bastfaser, wobei die Dehnfähigkeit deutlich höher ist. Die Fasern sind alkalibeständig, jedoch nicht säurebeständig. Baumwolle ist anfällig für Befall durch Mikroorganismen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Motten und anderen Insekten ist jedoch recht hoch. Baumwolle ist leicht entflammbar, kann aber gekocht und sterilisiert werden.

Zusätzlich macht die molekulare Struktur der Baumwolle ihre Fasern widerstandsfähig gegen Hitze und Laugen. Baumwolle ist damit auch bei starker Benutzung und häufiger Reinigung besonders langlebig. Sie fand und findet daher Anwendung in Bereichen starker chemischer und physischer Beanspruchung durch Abrieb, Zuglasten oder die Aussetzung von Salzen und Laugen, so zum Beispiel in der Verarbeitung zu Fischernetzen, Segeltuch, Reinigungstextilien, in der Arbeits- und Berufsbekleidung sowie der Tisch- und Bettwäsche der Hotellerie. Abhängig von der tatsächlich gewünschten Anwendung ist es möglich, den Rohstoff Baumwolle durch zahlreiche Arbeitsschritte in einem derart hohen Maße zu veredeln, dass er schließlich eine seidengleiche Anmutung erreichen kann, dabei jedoch weiterhin seine zahlreichen anderen positiven Eigenschaften aufweist.

Der Hauptanwendungsbereich für Baumwolle ist eindeutig die Textilindustrie. Mit einem Mengenanteil von etwa 33 Prozent an der weltweiten Produktion von Textilfasern (einschließlich anderer Naturfasern und Chemiefasern) und einem Mengenanteil von etwa 75 Prozent an den Naturfasern ist Baumwolle die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Naturfaser für Heim- und Bekleidungstextilien. Außer in der Textilindustrie finden Baumwollfasern aber auch in vielen anderen Bereichen Verwendung, beispielsweise als Verbandsmaterial in der Medizin sowie bei Kosmetik und Hygiene als Watte oder Wattestäbchen.

Fischernetze, Seile und Taue bestehen häufig ganz oder teilweise aus Baumwollfasern, ebenso Zelte, Planen und Persennings. Früher wurden auch Feuerwehrschläuche aus Baumwolle gefertigt. Baumwolle findet bei der Herstellung von einigen Papiersorten, von Zellulose, Kaffeefiltern, Bucheinbänden und Banknoten Verwendung.

Baumwolle wird auch als Verstärkungsfaser für naturfaserverstärkte Kunststoffe eingesetzt. Haupteinsatzgebiet hierfür sind duroplastische Verbundwerkstoffe vor allem für LKW-Fahrerkabinen. Durch ihre hohe Dehnfähigkeit ermöglicht die Beimischung von Baumwollfasern zu anderen Naturfasern eine deutliche Verbesserung der Schlagzähigkeit dieser Werkstoffe.

In Form von Nitrocellulose dient Baumwolle zur Herstellung von Munition und Sprengstoff.

Baumwollsamenöl fällt als ein Nebenprodukt der Baumwollproduktion an und kann im raffinierten Zustand als Speiseöl oder Brennstoff genutzt werden. Es ist ein Grundstoff in der kosmetischen Industrie.

Der nach dem Auspressen des Öls verbleibende Ölkuchen dient häufig als eiweißreiches Viehfutter, wird jedoch aufgrund seines hohen Gossypol­gehalts nur an ausgewachsene Wiederkäuer verfüttert. Die Samen können zu zirka 20 Prozent Öl und 50 Prozent Baumwollsamenkuchen gepresst werden. Schalen bilden den Rest.

Baumwollsamen galten in den USA früher auch als Hausmittel, um einen Schwangerschaftsabbruch herbeizuführen.

Bei der Aufarbeitung der Baumwolle gehen nur rund zehn Prozent des Rohgewichtes verloren. Wenn die Wachs-, Eiweiß- und weiteren Pflanzenreste entfernt sind, bleibt ein natürliches Polymer aus Zellulose zurück. Im Gegensatz zu vielen anderen Naturfasern besitzt Baumwolle keine Lignin- oder Pektin­bestandteile und nur eine sehr geringe Menge an Hemizellulose von etwa 5,7 Prozent. Somit besteht die Baumwollfaser, neben der Wachsschicht, fast ausschließlich aus hochkristalliner Zellulose. Die besondere Anordnung der Zellulose gibt der Baumwolle eine hohe Reißfestigkeit. Jede Faser besteht aus 20 bis 30 Lagen Zellulose in einer gedrehten Struktur.

2012 wurden weltweit insgesamt 25,95 Mio. t Baumwolle produziert (nur Lint ohne Linter, s. o.) Die zehn größten Produzenten ernteten zusammen 88,9 % der Weltproduktion.

Baumwolle hat den Recycling-Code-60 (TEX).

Baumwollfasern und deren Stäube können, wie alle Zellulosefasern, aufgrund der glykosidischen Bindung der Art β1→4 nicht von Säugetieren abgebaut werden. Je nach Reinigungsprozess kommen zudem unterschiedliche Mengen an verbliebenen pflanzlichen und bakteriellen Antigenen aus dem Ausgangsmaterial vor. Häufiges Einatmen der Stäube von Zellulosefasern führt zu einer Bioakkumulation in der Lunge, die sich in dem Krankheitsbild der Byssinose äußern kann.

Transgene Baumwolle wird hauptsächlich zur Verbesserung des Ertrags verwendet, nur sehr begrenzt zur Veränderung der Faserqualität. Zur Erleichterung des Anbaus gibt es einerseits Modifikationen, in die zur Erhöhung der Resistenz gegenüber Insekten Gene des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis übertragen worden sind (Bt-Baumwolle), andererseits Herbizidtoleranz, insbesondere Glyphosatresistenz.

Auxine spielen eine wichtige Rolle bei der Baumwollfaserentwicklung. Forschern der Universität Südwestchinas (in Chongqing) gelang mithilfe der Gentechnik eine Erhöhung der Indol-3-essigsäure-Produktion in der Epidermis der Pflanze zu Beginn des Faserwachstums. Dies führt zu einer Zunahme der Zahl und Länge verwendbarer Fasern (Lint) und einer Abnahme der Zahl der nicht zu Textilien verarbeitbaren Fasern (Linter). Feldversuche über vier Jahre ergaben, dass der Lintertrag bei den transgenen Pflanzen konsistent um mehr als 15 % höher war als bei den konventionellen Kontrollgruppen. Zudem verbesserte sich die Feinheit der Fasern.

 

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Wolle zum Stricken, zum Häkeln und zum knüpfen

Weißes Gänseblümchen gehäkelter Blumen Aufnäher für Scrapbooking

Gehäkelte Blumen in rot, hellgrün und blütenweiß
Rote gehäkelte Miniblümchen für Scrapbooking und Kleidung
MIniblumen in rot, dunkelrosa, hellgrün, hellblau, weiß, gelb

Wolle zum Stricken, zum Häkeln und Knüpfen

Lesezeichen weiß mit goldener Quaste

Als Wolle bezeichnet man nach dem Textilkennzeichnungsgesetz die weichen Haare des Fells (im Gegensatz zum Deckhaar) vor allem der Schafe. Im weiteren Sinne werden damit auch die von anderen Säugetieren (z. B. Ziegen, Kamelartige und Angorakaninchen) gewonnenen spinnfähigen Haare bezeichnet, die häufig mit einem tierspezifischen Vorsatz versehen werden (z. B. Angora-Wolle) oder ausdrücklich als „Haar“ (z. B. Kamelhaar) imponieren.

Wolle ist ein nachwachsender Rohstoff, der nachweislich seit dem 4. vorchristlichen Jahrtausend verwendet wird und bis heute trotz Kunstfasern und Baumwolle in der internationalen Wirtschaft eine große Bedeutung besitzt.

Das uralte indoeuropäische Wort Wolle kommt in zahlreichen Sprachen vor, z. B. in den germanischen Sprachen Englisch, Niederländisch, Schwedisch, Isländisch, aber auch in baltischen Sprachen (litauisch vìlna) oder im Keltischen (kymrisch gwlân).

In den romanischen Sprachen, so für das Spanische Lana, Französische Laine, Portugiesische  oder das Rumänische Lână zeigt sich kaum Ähnlichkeit zum lateinischen vellus. Noch nicht geklärt ist die mögliche Verwandtschaft mit lateinisch vellere, das „rupfen“ bedeutet und in die Zeit zurückweist, als Wolle noch nicht geschoren, sondern ausgerauft wurde. Das lateinische Substantiv vellus (Wolle) ist urverwandt mit deutsch Vlies.

Beispiele für ausgestorbene Sprachen sind Altnordisch (ull), Hethitisch (hulana), Altindisch (ūrna).

Wolle im engeren Sinne ist ein besonderer Haartyp (Vliestyp – die in einem flachen Stück zusammenhängende Wolle nach der Schur) bei Hausschafen, der in einem langen Prozess züchterischer Veränderungen aus dem Haarkleid der Wildschafe entstanden ist. In Europa hat sich die Wollnutzung des Schafes spätestens im Übergang zur Bronzezeit endgültig durchgesetzt, nachdem zuvor ausschließlich Pflanzenfasern, vor allem die Flachsfaser, zur Textilherstellung verwendet worden waren, wie Funde der neolithischen Seesiedlungen der Schweiz aus dem 4. und 3. vorchristlichen Jahrtausend belegen.
Die Entwicklung des Haarkleides vom Haarschaf (Wildtyp) zum Wollschaf erfolgte in einem langen Selektionsprozess mit folgenden Schritten:

  • Herausbildung eines Vlieses durch Reduktion des Haardurchmessers der Deckhaare bzw. deren vollständige Eliminierung.
  • Verlust der natürlichen Haarfärbung.
  • Wegfall des jährlichen Haarwechsels, so dass die Wolle erhalten blieb und geschoren werden konnte.

Die vorgeschichtlichen Menschen, die Schaffelle zur Kleidung nutzten, lernten möglicherweise im Neolithikum nach und nach, daraus Garn und Gewebe aus den Fellhaaren herzustellen. Die selektiv züchterische Schafhaltung eliminierte dann nach und nach die langen und groben Haare der schützenden äußeren Deckschicht, so dass schließlich ein Fell entstand, das nur noch aus den weichen, isolierenden Vlies der ehemaligen Unterschicht mit ihren feinen Wollfasern bestand.

Als ältestes Gebiet der Wollnutzung wird Vorderasien angesehen. Seit dem 4. vorchristlichen Jahrtausend mehren sich hier die Hinweise für das Vorkommen von Wollschafen, vor allem in Bildwerken Mesopotamiens. Sehr viel älter ist allerdings eine Tonstatuette vom Tepe Sarab in West-Iran (Kermanshah-Tal), deren Interpretation als Wollschaf jedoch strittig ist. Es scheint allerdings, dass sich erst im Laufe des 6. und 5. vorchristlichen Jahrtausends auf züchterische Weise ein Vlies herausgebildet hat und noch lange Zeit Haar- und Wollschafe nebeneinander existierten. Bereits im 4. vorchristlichen Jahrtausend war aber die Wollnutzung des Schafes weit außerhalb Mesopotamiens bekannt, wie Textilreste aus der Höhle von Nahal Mishmar in Palästina belegen. Sumerische Urkunden des 3. vorchristlichen Jahrtausends führen dann bereits Wolle und Milch als wichtigste Erzeugnisse der Schafhaltung an, und Wolle stellt zu dieser Zeit eine eigenständige Nutzungsrichtung der vorderasiatischen Schafhaltung dar.

Über die Anfänge der Wollgewinnung und -verarbeitung in Europa weiß man nur wenig, da sich Wolle als organisches Material mit Ausnahme der Feuchtbodenfunde in Seesiedlungen unter europäischen Klimabedingungen nicht lange im Boden hält. Es stehen hier somit nur archäozoologische Befunde zur Verfügung, die sich vor allem auf den neu auftauchenden markanten Größenunterschied der Skelettreste von Schafen beziehen verglichen mit den bisherigen Schafrassen. Zuerst gilt dies für die Funde im Karpatenbecken im Zeitraum der späten Badener Kultur.

  • In Zentraleuropa treten die größeren Schafe ab 3000 v. Chr. auf (Bernburger Horizont). Vor allem die Schnurkeramik in der 1. Hälfte des 3. vorchristlichen Jahrtausends und die frühe Bronzezeit zeigen eine starke Verdrängung der bisherigen Flachsgewebe, die offenbar weitgehend durch Wolle ersetzt worden waren. Gelegentlich finden sich Mischgewebe aus Wolle und Leinen, so etwa im Torfmoor von Wiepenkathen (Stade) (um 2400 v. Chr.). Ein verkohltes Wollstück aus der Schweiz wurde auf 2900 v. Chr. datiert.
  • In Mittel- und Südeuropa scheint sich die Wollnutzung demnach relativ unvermittelt innerhalb eines kurzen Zeitraumes im Übergang vom 4. zum 3. vorchristlichen Jahrtausend vollzogen zu haben. Das spricht eher für einen Import dieser Technologie nach Europa und nicht dafür, dass sie in diesem Gebiet entstanden ist, also für die Einführung der Wollschafe, möglicherweise über die osteuropäischen Steppengebiete aus Vorderasien, wo sich ebenfalls große Schafrassen finden. Auch die Sage vom Goldenen Vlies könnte ein Hinweis sein, dass sich die Wollschafzucht nicht in Griechenland entwickelte, sondern dass sie vom Schwarzen Meer aus dorthin gebracht wurde.
  • Aus der europäischen Bronzezeit finden sich vor allem Schafe mit primitivem Vlies wie es bis heute die Soay-Schafe auf den St. Kilda-Inseln nordwestlich von Schottland haben, die möglicherweise direkt auf diese Bronzezeit-Schafe zurückgehen.
  • In der Eisenzeit wurden dann offenbar bereits Schafe mit immer dichterem Vlies gezüchtet, auch treten nun neben der Wildfärbung Schwarz Weiß und Grau als Färbungen auf. Weiße Wolle findet sich aber bereits in der Bronzezeit. Es dominiert weiter wie in der Bronzezeit die Mischwolle, bei der es auch größer Bestandteile der durch Pflücken bzw. Auskämmen im Frühjahr gewonnenen feineren Unterwolle gibt.
    Von den Kelten weiß man, dass Männer und Frauen über einem leinenen Hemd (die léine) den inar trugen, einen kurzen Überrock und darüber einen wollenen Mantel (brat).
  • Noch in der Römerzeit dominierte wie bei den Griechen und Etruskern diese Mischwolle mit ihrem hohen Anteil an feiner, weißer Wolle (bis 40 %), die oft auch der Farbe und Weichheit wegen von Lämmern gewonnen wurde. In der Kaiserzeit wurden dann neue Wolltypen herausgezüchtet, insbesondere Feinwolle, wie sie bereits die Griechen kannten (5. Jh. v. Chr.) und wie sie auch in Palästina vorkam (4.–1. Jh.). Generell dominierten in der Römerzeit Wolle, Leinen und Leder als Kleidermaterial der Bevölkerung Europas. Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturalis historia (Naturgeschichte), dass die feinste Wolle aus Tarent stammte, wo es durch Selektion gelungen war, ein Schaf mit einem exzellenten Vlies zu züchten, das jedoch besonderer Pflege bedurfte. Seide und Baumwolle hingegen galten als extravagante und luxuriöse Ware, die aus dem Orient, insbesondere China und Indien, importiert wurden und die sich nur die Reichsten leisten konnten.
  • Auch im Germanischen Bereich Mitteleuropas gab es unabhängig davon Bemühungen, die Wollqualität der Schafe züchterisch zu verbessern, wie Befunde der Siedlung Feddersen Wierde (Kr. Wesermünde) belegen. Da die Herstellung von Wolltextilien von der Wollgewinnung und Vorbereitung über Spinnen und Weben eine lange und mühsame Handarbeit war, galten wollene Kleidungsstücke als Kostbarkeiten. Fürsten belohnten damit ihre Gefolgsleute, man zog sie vornehmen Toten an und opferte sie den Göttern. Leinen war ebenfalls begehrt, doch kam es wegen der schlechteren Anbaumöglichkeiten für Flachs in den nördlicheren Gebieten Mitteleuropas, dem Hauptsiedlungsgebiet der Germanen, erst relativ spät in Gebrauch außer als teure Handelsware, war dann aber ebenfalls Statussymbol.

Im Gegensatz zum Schaf hat das Haarkleid der Ziegen nur wenige züchterische Veränderungen bei der Wollnutzung erfahren. Lediglich die Angoraziege bildet eine Ausnahme, und ihr Vlies ähnelt dem des Wollschafes. Allerdings stellt Kaschmirwolle lediglich Unterwolle dar, die den Ziegen beim Wollwechsel ausgekämmt wird, und das Haarkleid der Kaschmirziege ist gegenüber der Stammform Bezoarziege nur wenig verändert. Über die Anfänge der Gewinnung und Verarbeitung von Ziegenwolle ist indes wenig bekannt.

Von den vorderasiatischen Entstehungsgebieten breitete sich die Wolltechnologie auch weiter nach Asien und den Osten Afrikas aus, insbesondere der Iran und Ägypten wurden schon bald nach dem ersten Auftreten in Vorderasien von der neuen Technologie erreicht.

  • Über die Schafhaltung der Industalkultur ist relativ wenig bekannt. In den Texten des Rigveda sich finden sich verschiedene Angaben (1500–1000 v. Chr.), die sich auf die Schafschur und das Weben von Wollstoffen beziehen.
  • In Ägypten kommen wolltragende Schafe ab dem Mittleren Reich vor. Sie sind vermutlich aus Vorderasien eingeführt worden. Ab der 18. Dynastie sind schraubenhörnige Haarschafe auf Abbildungen nicht mehr nachweisbar.
  • Im Judentum Palästinas war das Schaf seit frühester Zeit ein wichtiges Haustier, von dem Fleisch, Milch, Fell und Haut sowie seine Wolle vielfach genutzt wurden, wie die Bibel an zahlreichen Stellen berichtet. Wolle war ein begehrtes Gut, das auch als Tributleistung gehandelt wurde (2. Kön. 3,4). Die Kleidung der jüdischen Tempelpriester bestand ebenfalls aus Leinen (2. Mose 28). Dies hatte allerdings keine religiösen Gründe, denn da Flachs in Palästina nur vereinzelt angebaut wurde, waren Leinengewänder, deren Stoffe dazu oft aus Ägypten importiert werden mussten, seltener und teurer als wollene und galten somit als angemessen für die überaus kostbaren Amtsroben der Priester. Leinenkleidung wurde daher kaum von Privatleuten getragen und galt auch als Kleidung himmlischer Wesen.
  • In Altamerika wurde Wolle im zentralen Andengebiet und in den angrenzenden Gebieten ab etwa 5000 v. Chr. verwendet; sie stammte von domestizierten und wilden Kamelartigen, vermutlich Alpakas, ist als echte Weberei ab 2500 v. Chr. in Peru nachgewiesen, erreichte zwischen 2000 und 200 v. Chr. im zentralen Andengebiete in der Weberei ihren Höhepunkt und konnte ab etwa 800 v. Chr. an der südperuanischen Küste auch gefärbt werden (sog. Paracas-Textilien).
  • In Nordamerika finden sich ebenfalls Wollwebereien. Sie wurden vor allem aus Bergziegenwolle hergestellt, etwa die Decken der zu den Tlingit gehörenden Chilkat an der Nordwestküst in Alaska. Die Navajos des Südwestens verwendeten neben Baumwolle Schafwolle für ihre Webereien, mit der sie Kleider und Decken herstellten.
  • Nach Zentralasien, insbesondere Usbekistan, die Mongolei bis hin nach China ist die Wollweberei erst sehr spät gelangt. Wolle verwendete man hauptsächlich zur Filzherstellung und für die Herstellung von Teppichen, oder man beschränkte sich auf die Nutzung der Felle als Pelze, etwa beim Karakulschaf.
  • In China war die Seidenraupenzucht schon früh verbreitet. Die höheren Stände trugen Kleidung aus diesem Material, das Volk hatte Kleidung aus der rauheren Hanffasern zur Verfügung. Schafe dienten schon früh lediglich zur Fleischerzeugung und für Pelze.

Vor allem für England hat die Wollproduktion und -verarbeitung seit dem späten Mittelalter, teilweise in Konkurrenz mit Flandern, immer wieder große Bedeutung gehabt. Flüchtlinge aus den Niederlanden, die vor der dortigen religiösen Unterdrückung durch die Spanier geflohen waren, brachten neue Wolltechnologien nach England mit, insbesondere die Kammgarnherstellung, und machten so die ohnehin bedeutende Wollindustrie Englands zur wichtigsten Europas. Schon die Tatsache, dass der Lordkanzler (bzw. seit 2006 der Lord Speaker), der dem britischen Oberhaus vorsitzt, dies auf dem Woolsack tut, veranschaulicht die frühe Bedeutung der Wollindustrie. Unter der Regierung von Heinrich VII. begann sich ab 1485 die Wirtschaft nach den Schrecken der Pestepidemie in England wieder zu erholen, und zwar vor allem auf der Grundlage von Woll- und Textilproduktion und dem Handel und Export mit Wollprodukten. Diese Bedeutung hielt auch später an, und zeitweise war die Wollindustrie in England die einzig wichtige. Während Wollprodukte exportiert wurden, mussten Nahrungsmittel importiert werden, auch weil große Agrarflächen durch den wohlhabenden Adel als Schafweiden genutzt wurden. Dies führte zu starken sozialen Spannungen und beförderte auch ökonomisch die Hierarchisierung der englischen Gesellschaft. Da die Wollwirtschaft den Aufstieg Einzelner begünstigte, blieb die englische Gesellschaft andererseits flexibler als die übrigen europäischen Gesellschaften. Neue maschinelle Spinn- und Webtechnologien im 18. und 19. Jahrhundert führten dann analog zur Baumwollverarbeitung – in Verbindung mit dem stark ansteigenden Import von Wolle aus den Kolonien, insbesondere aus Australien (1851: 30 Millionen Pfund) – zu neuen sozialen Verwerfungen und zum Aufstieg der Trade Unions.

Religionsgeschichtlich hat Wolle ganz unterschiedliche, ja gegensätzliche symbolische Bedeutungen angenommen. Einerseits stand die durch ihre Saugfähigkeit bedingte reinigende Kraft im Vordergrund und machte Wollstoffe zum bevorzugten Material bei Opfer und Kult. In diesem Zusammenhang wurden ihr auch schützende Fähigkeiten zugeschrieben, die Kraft, Unheil abzuwenden.
Andererseits galt sie auch als unrein, so im alten Ägypten, bei den Orphikern und Pythagoreern, und Priester durften keine wollenen Gewänder tragen. Andererseits konnte das Weiß der Wolle im Judentum als Bild der Unschuld dienen (Jes. 1,18, Ps. 147,16). Lämmer und Widder dienten als Opfertiere. Im Mittelalter war Wolle dann in Mönchsgemeinschaften der bevorzugte Stoff für die einfachen Kutten. Das gilt auch im Islam, wo die Sufis möglicherweise sogar nach dem arabischen Wort für Wollstoff suf heißen. (Es gibt aber noch mindestens drei weitere Erklärungen.)

  • Wolle ist wie Seide aus faserförmigen Strukturproteinen oder Gerüsteiweißen (Skleroptoteine) aufgebaut. Im Falle der Wolle ist dies Keratin; jedoch unterscheiden Wolle und andere Tierhaare sich vom Fibroinfaden etwa der Seide durch ihren hohen Schwefelgehalt (drei bis vier Prozent), der auf dem hohen Gehalt des Keratins an der Doppelaminosäure Cystin beruht, die mit ihren Disulfidbrücken das Keratin besonders stabil vernetzt.
  • Thermisch oder chemisch können diese Brücken aufgespalten werden, so dass das Keratin verformbar wird (z. B. Dauerwelle).
  • Keratine sind in Wasser, Säuren und Basen unlöslich und werden durch die meisten eiweißspaltenden Enzyme nicht angegriffen, sind also auch unverdaulich (außer durch Kleidermotten).
  • Die Faserproteine sind anfälliger gegen chemische Schädigungen und ungünstige Umgebungsbedingungen als das Zellulose-Material pflanzlicher Fasern.
  • Die Wollfaser ist gröber als Textilfasern wie Baumwolle, Lein, Seide und Kunstseide. Die Wollfaser hat einen Durchmesser zwischen 16 µm und 40 µm. Die gröberen Fasern sind am längsten. Feine Wolle misst ca. 4 cm bis 7,5 cm; extrem grobe Fasern erreichen sogar eine Länge von bis zu 14 cm.
  • Wollfasern besitzen einen annähernd runden Querschnitt.
  • Die Faseroberfläche hat eine dachziegelartige Schuppenstruktur. Dadurch können sich unterschiedlich gerichtete Wollfasern aneinander verhaken und verfilzen (was die Pillingneigung von Wolle erklärt).
  • Charakteristisch für Wolle ist ihre wellenförmige Struktur mit bis zu zwölf Wellen pro Zentimeter bei feinen Fasern und zwei oder weniger bei groben Fasern.
  • Die Farbe ist gewöhnlich weißlich, kann aber auch braun und schwarz sein, besonders bei den gröberen Typen, die wiederum einen stärkeren Glanz aufweisen als die feinen Fasern.
  • Die Höchstzugspannung der Einzelfaser im trockenen Zustand liegt zwischen 130 und 210 N/mm² bzw. die feinheitsbezogene Höchstzugkraft zwischen 0,10 und 0,16 N/tex. Im nassen Zustand verlieren die Fasern 5 bis 25 % ihrer Festigkeit gegenüber den Werten im trockenen Zustand, was im Gegensatz zum Verhalten von Pflanzenfasern liegt. Die Höchstzugkraftdehnung trocken liegt bei 28 bis 48 %, im nassen Zustand zwischen 29 und 61 %.
  • Die elastische Faser kehrt nach begrenzter Streckung oder Kompression zu ihrer ursprünglichen Länge zurück und verleihen daraus gefertigter Kleidung so die Fähigkeit, die Passform zu bewahren, schön zu fallen und nicht so leicht einzugehen. Wolle, die während der Tuchherstellung gestreckt wurde, kehrt allerdings beim Waschen zur ursprünglichen Faserlänge zurück.
  • Da die Fähigkeit, sich zu kräuseln und zu wellen, es den Fasern ermöglicht, aneinander zu haften, ergeben selbst locker gewebte Garne einen starken Stoff; und sowohl Kräuselung wie Elastizität erlauben die Herstellung locker strukturierter Garne und Stoffe, die wärmedämmende Luft einschließen und zurückhalten.
  • Die geringe Dichte von Wolle erlaubt die Produktion sehr leichter Stoffe.
  • Wolle nimmt Farbe sehr leicht auf.
  • Wolle hat eine so genannte natürliche Thermoregulations-Eigenschaft. Da Wollwaren (bezogen auf ihr Gesamtvolumen) aus bis zu 85 % Luft bestehen und das Gewebe Konvektion verhindert, eignen sie sich als Wärmeisolatoren. Umgangssprachlich heißt es deshalb, dass Wolle gut „wärmt“, obwohl Wolle selbst eigentlich nur die Wärme des Körpers speichert.
  • Wolle kann große Mengen an Wasserdampf aufnehmen, die Oberfläche stößt Wasser jedoch ab. Die Aufnahme kann bis zu 33 % des Trockengewichts der Wolle betragen, ohne dass sie sich feucht anfühlt. Außerdem leitet sie die Feuchtigkeit wesentlich schneller ab als beispielsweise die viel verwendete Baumwolle.
  • Wolle nimmt Schmutz schlecht an, die elastische Faser knittert kaum.
  • Sie ist sehr farbbeständig und schwer entflammbar. Sie brennt nicht, sondern verkohlt nur.
  • Wolle nimmt im Gegensatz zu Kunstfasern wenig Gerüche (z. B. Schweiß) an und hat eine natürliche Selbstreinigungsfunktion – aufgenommener Geruch wird wieder an die Luft abgegeben, die Wolle riecht nach kurzem Lüften wieder neutral und frisch.
  • Sie kann Schweiß chemisch binden und somit lange neutralisieren.
  • Wolle neigt zum Fusseln (Pilling), was man durch Fusselfrei-Ausrüstungen oder Verarbeitungsqualität mindern kann.
  • Wollkleidung kann als unangenehm bzw. kratzig empfunden werden. Dies lässt sich durch spezielle Behandlung mindern.
  • Für technische Anwendungen eignet sich insbesondere Wolle vom Schaf als antistatisches und schwer entflammbares Material, z. B. in den Sitzen von Autos und Flugzeugen.
  • Als Dämmstoff.
  • Als traditionelles Hausmittel bei Erkältungen in Form eines Wollsocken-Halswickels: In den stinkenden Wollsocken, die man mit ungewaschenen Füßen in Schuhen getragen hat, bilden sich nach tagelangem Tragen Antibiotika.
  • Aufgrund der wasserspeichernden und luftaufnehmenden Eigenschaften sind Wollsocken (mind. 70 % Anteil reiner Wolle) bestens geeignet um warme Füße zu behalten. Nur ein feuchter Fuß wird kalt. Wollsocken sind deshalb effizienter als eine Doppelschicht (kühlender) Baumwollsocken.

Der Wollgewinnung dienen Schafe (Schafwolle), Kaschmirziegen (Kaschmirwolle) und Angoraziegen (Mohair), Angorakaninchen (Angora), Kamele (Kamelhaar) und Kleinkamele wie Alpakas, Lamas und Vikunjas, Moschusochsen (Quiviut) und Yaks (Yakwolle).

Zur Wollgewinnung werden die Tiere geschoren (Schurwolle) oder ausgekämmt, einige Schafrassen (Soay) werden gezupft (das ist für die Tiere schmerzfrei, man löst jeweils vorsichtig nur die fast schon losen Haare).

Bereits die Vorfahren der Inkas fertigten feinste Garne aus der Wolle der südamerikanischen Alpakas und der noch selteneren frei lebenden Vikunjas. Auch heute noch gilt Alpaka als ein besonders hochwertiges Garn.

Zuerst wird die Wolle gewaschen, gekämmt oder kardiert, eventuell gebleicht und/oder gefärbt und zu Kammgarn oder Streichgarn versponnen. Dabei wird die zu spinnende Wolle mittels hochpräziser elektronisch gesteuerter Spinnmaschinen in einen langen dünnen Faden (Garn) gebracht. Dieses lässt sich zu Stoffen weben, zum Häkeln, zum Stricken (Strickwaren) und Wirkwaren verwenden oder es wird von Hand oder maschinell zu Teppichen geknüpft.

Zusätzliche Eigenschaften erhält die Wolle durch das sogenannte Ausrüsten, beispielsweise den Schutz vor Mottenfraß (eulanisieren), Filzfreiheit (Hercosett-Verfahren, EXP-Verfahren), Maschinenwaschbarkeit und anderes.

Es wird erwogen, aus nicht für Textilien einsetzbarer Wolle auch Düngepellets zu produzieren.

Die Bezeichnungen Schurwolle oder Reine Schurwolle besagen, dass es sich um neue, unmittelbar von einem lebenden Tier stammende Wolle, und nicht um ein wieder verwendetes, also aus Alttextilien hergestelltes Recyclingprodukt wie Reißwolle oder um die aus den Fellen geschlachteter (Schwöde-, Schwitz- oder Gerberwolle) oder verendeter (Sterblingswolle) Tiere gewonnene Wolle handelt.

  • Strickwolle bzw. Handstrickgarn besteht heute meist aus einem Gemisch von Wolle und Kunstfasern.
  • Alpaka (nicht: „Alpaka-Wolle“, siehe unten oder Reißwolle, diese ist wiederaufbereitete Wolle)

Schafwolle:

  • Kurkwolle stammt von der ersten Schur eines Schafes.
  • Merinowolle ist eine sehr hochwertige Wolle, die von Merinoschafen gewonnen wird.
  • Crossbredwolle stammt von Crossbredschafen, einer Kreuzung aus Merino- und Grobwollschaf.
  • Cheviotwolle stammt vom Cheviotwollschaf, z. B. dem Shetlandschaf.

Quiviut:
Die Unterwolle des Moschusochsen heißt Quiviut und ist schwer zu verspinnen, da die Haarlängen gering sind. Verarbeitet ist sie eine sehr hochwertige Wolle.

Mohair:
Das Haar der Angoraziege ergibt Mohair, ist wenig gekräuselt und besitzt höhere Dichte als Schafwolle.

Alpakawolle:
Wolle des Alpakas hält die Wärme fünfmal besser als Schafwollgarne. Durch mikroskopisch kleine Lufttaschen hält es besser warm als fast alle anderen tierischen Fasern. Alpaka enthält kein Lanolin und ist daher für Wollallergiker geeignet. Alpakawolle gibt es in verschiedenen Tönungen von reinweiß über beige zu allen Braun- und Rotbrauntönen bis hin zu Grauabstufungen und tiefschwarz.

Angorawolle:
Die Haare des Angorakaninchens sind feiner als die des Schafes. Angorawolle ist besonders weich und kaum gekräuselt.

Merino-Possum-Wolle:
Ebenfalls durch sehr geringes Gewicht und außergewöhnlich gute Isolationsfähigkeit zeichnet sich Merino-Possum-Wolle aus. Sie wird vor allem in Neuseeland hergestellt und verwendet. Die Produktion dieser Mischung hilft mit, die Bestände der unerwünscht zahlreichen, die einheimische Flora und Fauna gefährdenden Possums zu verringern.

  • Aus grobem Wollgewebe (Loden) wurde jahrhundertelang die Wetterbekleidung der bäuerlichen Bevölkerung Europas hergestellt. Eine genauso lange Tradition hat nachträglich gewalkter Lodenstoff.
  • Tweed ist ein besonders grober, warmer und dauerhafter Wollstoff. Original Harris Tweed kommt von den Äußeren Hebriden. Bekannte italienische Webereien von hochwertigen Wollstoffen sind u. a. Cerruti, Zegna, Guabello und Loro Piana.
  • Die Bezeichnungen wie „Super 100“, „Super 120“ etc. findet man auf jedem besseren Anzug aus Schurwolle. Es sollte auf dem Label des jeweiligen Stoffherstellers angebracht sein. Es bezeichnet die Feinheit des versponnenen Wollgarns, z. B. Super 100 bedeutet: 100 Meter des Garns wiegen ein Gramm. Je höher die Zahl, desto feiner ist das Garn, derzeit (2005) werden bis Super 210 für sehr feine und sehr teure Stoffe verarbeitet. Die Bezeichnung ist aber nicht geschützt, so dass ebenso auf renommierte Stoffhersteller zu achten ist.

Weltweit werden in fast 100 Ländern rund 2,2 Millionen Tonnen Wolle jährlich produziert, das meiste davon in Australien, gefolgt von China, Neuseeland, Argentinien, Indien, Großbritannien und Nordirland mit mehr als 50.000 Tonnen pro Jahr (FAO 2009). In Deutschland beträgt die Schafwollproduktion rund 8000 Tonnen. Deutsche Wolle hat auf dem Weltmarkt jedoch einen schweren Stand, gegenüber Neuseeland mit seinen hochweißen, feinen Qualitäten können hiesige Erzeuger preislich und qualitativ nur schlecht konkurrieren. Ein Großteil der Wolle wird in der Bekleidungsindustrie weiterverarbeitet, gröbere Fraktionen werden für Bettwaren, Polsterungen, Teppiche und Düngepellets verwendet.

 

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